NJPW Best Of The Super Jr. 26 (13. Mai) Review: Lee vs. Ishimori, Shingo vs. SHO

Die Kleinen so groß wie nie zuvor: Zum ersten Mal in der Geschichte des Best Of The Super Jr. machen sich 20 Leichtgewichte daran, das prestigeträchtige Turnier und, damit einhergehend, einen Tanz um die IWGP Junior Heavyweight Championship zu gewinnen! Der erste Abend hatte gleich zwei Kracher im Gepäck. Shingo Takagi und SHO prügelten das erste Kapitelende ihrer Rivalität auf die Bühne, Champion Dragon Lee traf ein weiteres Mal auf den „BONE SOLDIER“ Taiji Ishimori.

DOUKI & Taichi besiegten Ren Narita & Yota Tsuji

El Desperado und Flip Gordon sind raus, DOUKI und Ren Narita übernehmen ihre Plätze. Von kredibilem Ersatz kann keine Rede sein. Hätten die beiden ursprünglichen Teilnehmer gleich mehrere Main Events bestritten, wird sich der Erfolg der Nachzügler in Grenzen halten. Während Narita vermutlich keinen einzigen Sieg erringen wird, stehen die Chancen für DOUKI nur unwesentlich besser. Gut also, daß am zweiten Tag wenigstens einer von beiden mit Zählern in den Bus steigen darf.

Obwohl DOUKI den Opener erwartungsgemäß gewann, um den Zuschauern wenigstens einmal seinen Suplex de La Luna nahezubringen, unternahmen die Mannen keinen wirklichen Aufwand, ihm ein designiertes Showcase Match auf den Leib zu schneidern. Taichi und Tsuji leisteten den Großteil der Arbeit, wobei der massige Rookie ausreichend Zeit erhielt, DOUKI im Boston Crab zu verbiegen, ehe der Abend für ihn und seinen Nachwuchskollegen endete. Alles in allem weder Fisch noch Fleisch und eine relativ spannungsarme Angelegenheit. (8:43) **¼

Gelungene Generalprobe: DOUKI startete mit einem Sieg. (© NJPW)

El Phantasmo, Robbie Eagles & Jado besiegten Bandido, Rocky Romero & Yuya Uemura

Abseits von Jay White ist es in der oberen Gewichtsklasse des BULLET CLUBs düster. Bei den Junior Heavyweights hingegen wurde an den richtigen Stellen justiert. Sah Taiji Ishimori allein auf weiter Flur wie ein Arbeitstier unter Faulpelzen aus, hat er mit El Phantasmo und Robbie Eagles gleich zwei Talente an die Seite gestellt bekommen, mit denen es auf lange Sicht sogar interne Hierarchie-Querelen geben könnte.

Das CLUB-Trio erwies sich auch ohne gemeinsame Erfahrung als gut geölte Maschine. Jado hatte körperlich zwar kaum eine Möglichkeit, zum positiven Resultat beizutragen, ließ dafür jedoch seinen Kendo Stick für sich sprechen. Das zusammengewürfelte Team auf der anderen Seite hatte einen weiteren Nachteil: Yuya Uemura! Der Rookie arbeitet beständig an seinen Fähigkeiten, ist aber eben das: ein Rookie. Als Schwarzhöschen präsentierte sich der 24-jährige Wirbelwind mit einer extragroßen Portion Feuer, ging letztendlich aber doch per Turbo Backpack unter. (10:34) **½

Neue Besetzung, gleicher Erfolg: Der BULLET CLUB bleibt obenauf. (© NJPW)

Ryusuke Taguchi & Juice Robinson besiegten YOH & Shota Umino

Spätestens seit Naritas Berufung in das diesjährige Best Of The Super Jr. Tournament besteht kein Zweifel mehr daran, daß Shota Umino als aufgehendes Sternchen für die Schwergewichte eingeplant ist. Statt ihn mit neun aufeinanderfolgenden Einzelkampf-Niederlagen gegen Junior Heavyweights zu belohnen, bleibt es bei charismatischen Auftritten in der unteren Cardhälfte, wo seine statusbedingten Pleiten weit weniger prominent ins Gewicht fallen.

Weiterer Beleg: Shota startete als offensichtliches Opfer für den Fall, fraß ihn aber nicht gegen Leichtgewicht Taguchi, sondern Heavyweight Juice Robinson. In einer spannenden Schlußphase hatte das Red-Shoes-Söhnchen genug, als Juice Robinson zu einem High Angle Boston Crab ansetzte. Shotas Einsatz in den Undercards wird spannender als der Turnierverlauf von so manchem BOSJ-Teilnehmer. Vorher gestaltete sich das Aufeinandertreffen ohne großes Brimborium, danach erhielt Juice eine neuerliche Botschaft von Knife Pervert Jr., der sein Erscheinen auf den 5. Juni, das große Finale der Tour, datierte. (10:18) **¾

Kampf gegen Taguchi? Geht YOH am Poppes vorbei. (© NJPW)

BUSHI & Tetsuya Naito besiegten Will Ospreay & Toa Henare

Hätte mich jemand gefragt: Ich hätte Will Ospreay in diesem Jahr nicht mehr im Turnier gesehen. Sein dauerhafter Wechsel zu den Schwergewichten ist im Hinblick auf die vergangenen Monate überfällig. Die Gründe für seine Teilnahme verstehen sich aber genauso von selbst: Ospreay ist ein etablierter Superstar, der die Hallen füllt und dem Turnier mindestens neun herausragende Leistungen garantiert. Durch seinen bevorstehenden Sprung in die höhere Gewichtsklasse ist er prädestiniert für ein gutes Abschneiden, vielleicht sogar den Gruppensieg. Viele Niederlagen kann es durch seinen Status nicht geben.

Der Kampf verlief obligatorisch. Die Los Ingobernables nahmen die Heel-Rolle ein und hatten ihre Freude daran, Toa Henare durch den Fleischwolf zu drehen. Ospreay glättete die Wogen, wann immer er die Gelegenheit dazu bekam, konnte aber nur noch zusehen, als sein Partner dem Destino erlag und drei Sekunden lang auf dem Boden verblieb. Kurz zuvor setzte BUSHI seinen Turniergegner mit einem harten Implant DDT auf das Apron außer Gefecht. (10:49) **½

Herausforderung angenommen: BUSHI ist bereit für Will Ospreay. (© NJPW)

Best Of The Super Jr. 26 – A Block
Tiger Mask [2] besiegte TAKA Michinoku [0]

Die Springbohnen bevölkern überwiegend den B-, die versierten Bodenkämpfer hauptsächlich den A-Block. Mit dem Duell der beiden Veteranen wurde ein dementsprechend guter Startpunkt gesetzt. TAKAs Taktik war klar abgesteckt: Tigers Beine schwächen, seine Mobilität und dadurch optimierte Standfestigkeit für seine Trademark-Manöver minimieren. Daß der SZKG-Streiter auf dem Weg zum Ziel das Regelwerk dehnte, konnte nicht als Überraschung verbucht werden.

Genauso wenig die Zähigkeit des in die Jahre gekommenen Tigers. Der Maskierte sah in den ersten Minuten kaum einen Stich, schnitt TAKA aber plötzlich mit einem Spinning Tombstone ab und regenerierte nach und nach seine Kraftreserven. Der Rest der Auseinandersetzung verlief ausgeglichener. TAKAs Strategie ging zeitweise auf, als er seine Schultern nach dem Tiger Driver nach oben riß. Wenig später packte der zweimalige BOSJ-Gewinner allerdings den Tiger Suplex aus, der den ersten Turnierkampf des laufenden Jahres zu seinen Gunsten beendete. (10:58) **¾

Tiger Mask entschied das Duell der Veteranen für sich. (© NJPW)

Best Of The Super Jr. 26 – A Block
Titán [2] besiegte Yoshinobu Kanemaru [0]

Wie sein Kollege TAKA verzichtete Kanemaru darauf, den Fans und seinem Gegner einen fairen Kampf zu liefern. Titán wurde noch vor dem Ringgong attackiert und hatte nur wenige Sekunden später damit zu kämpfen, nicht demaskiert zu werden. Sein Seelenheil fand der Mexikaner im Angriff. Denn mag Kanemaru auch der bessere Stratege sein, so ist Titán weitaus flinker und agiler.

Freche Technik gegen ehrlichen Luftkampf hieß es auch in den kommenden Minuten. Kanemaru hatte das Nachsehen, wenn der CMLL-Gast den Gang hochschalten konnte. Und das gelang mit jeder Minute besser! Kanemaru landete Deep Impact, ließ aber wichtige Sekunden bis zum Cover verstreichen. Auch ein Spinning DDT brachte nicht den gewünschten Erfolg. Am Ende war es Titán, der den Sieg davontragen konnte, als Kanemarus Griff zur Whisky-Flasche mißlang und in einen verrückten Cradle namens Immortal mündete. (10:55) **¾

Titán entging der Alkoholdusche. (© NJPW)

Best Of The Super Jr. 26 – A Block
Marty Scurll [2] besiegte Jonathan Gresham [0]

Marty hat mir in den letzten Jahren weniger und weniger gefallen. Dabei ist es gar nicht so, daß ich seine Party-Persona vermissen würde. Früher waren seine Matches einfach nur eleganter und weniger langweilig. Mit der Transformation zum „Villain“ und dem BULLET-CLUB-Beitritt ging es – für meinen Geschmack – rapide bergab. Aus dem dynamischen Marty Scurll wurde ein Cody, der sein Dasein lieber neben dem Ring fristete und nur noch selten über sich hinauswuchs. Gut für seine Gesundheit, schlecht für einen Connoisseur wenigstens halbwegs unterhaltsamer Auseinandersetzungen.

Dabei kann es so einfach sein! Wie Lance Storm und Jerry Lynn längst vorgemacht haben, bedarf es gar keiner großen Anzahl an Bumps, um ein Match interessant zu gestalten. Genau das gelang Scurll und Gresham an dieser Stelle. Statt lebensverkürzenden Stürzen gab es ein intelligentes Duell auf der Matte, das die Fertigkeiten der beiden zu jeder Sekunde unterstrich. Denn Grappling bedeutet speziell beim Pro-Wrestling lange nicht, daß ein Kampf öde und augenkrebserregend sein muß.

Scurll und Gresham sind so gut, daß kein Griff verschwendet, kein Konter unglaubwürdig wirkt. Jede Bewegung hat im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuß, einen Grund für jeden strategischen Gedanken, der folgt. Als Marty für das BOSJ verkündet wurde, habe ich gegähnt. Aber der Grapple-Bock ist wie für ihn gemacht. Der Sieg über Gresham gelang per Black Plague und schlichtweg besserer Übersicht. Bitte mehr davon! (12:22) ***½

Sieg im Mattenduell: Der „Villain“ sicherte sich wichtige Zähler. (© NJPW)

Best Of The Super Jr. 26 – A Block
Shingo Takagi [2] besiegte SHO [0]

Seitdem Shingo Takagi und SHO das erste Mal aufeinandergetroffen sind, liegt Spannung in der Luft. Es ist das klassische Duell: Auf der einen Seite steht das einheimische Talent, das sich gegen alle Widrigkeiten beweisen möchte. Auf der anderen befindet sich der hartnäckige und aus einer anderen Schule stammende Veteran, der endlich zeigt, auf der größten aller Bühnen bestehen zu können. Kurz: SHO muß Shingo besiegen, möchte er seine Entwicklung vom Rookie zum glaubhaften Aushängeschild abschließen.

Wie lang die Rivalität der beiden überhaupt andauern kann, ist abhängig von Shingos Dasein als Junior Heavyweight. Der ehemalige Dragon-Gate-Kombattant ist zu massig und zu gut, um langfristig als Leichtgewicht, vor allem aber als Nr. 5 oder gar 6 der Los Ingobernables, durchzugehen. Wie Will Ospreay könnte der „Dragon“ eher gestern als morgen ganz oben mitmischen.

SHOs Zeit für einen Sieg über Shingo Takagi ist noch lange nicht gekommen. Vielmehr hatte er seinen Willen zu beweisen. Es war die Aufgabe von SHO, sein Potenzial als Einzel-Wrestler durchscheinen zu lassen, Offensiven zu überstehen, die viele seiner Kollegen hoffnungslos auf die Matte befördert hätten. Nach dem Last of the Dragon war SHO der Unterlegene, aber kein Verlierer. Er hatte auch ohne zwei Punkte gezeigt, daß zukünftig mit ihm zu rechnen ist, er völlig problemlos der große Widersacher eines Leichtgewicht-Superstars sein kann – wenn er nicht selbst in eben dessen Rolle tritt. (25:07) ****½

Shingo Takagi und SHO lieferten sich einen modernen Klassiker. (© NJPW)

Best Of The Super Jr. 26 – A Block
Taiji Ishimori [2] besiegte Dragon Lee [0]

So groß die Kritik am Gedo-Booking der Junior-Division sein mag: Sie ist absurd! Die Junior Heavyweight Tag Team Championship war in der Obhut von El Desperado und Yoshinobu Kanemaru so wichtig wie lang nicht mehr. Das Doppelpack aus den Main Events bestehend aus Taiji Ishimori vs. Dragon Lee und Jeff Cobb vs. Taichi zog im direkten Vergleich zum vorherigen Jahr nur 55 Zuschauer weniger als Kenny Omega vs. Hangman Page und Cody vs. Kota Ibushi. Auch ohne KUSHIDA sind die Leichtgewichte hervorragend aufgestellt – wenngleich der ein oder andere Kandidat eine Extrarunde drehen muß(te).

Nach einem technischen Meisterstück und einem brutalen Schlagabtausch lag es an IWGP Junior Heavyweight Champion Dragon Lee und Taiji Ishimori, die perfekte Balance zu finden. Und während das Match seinem Main-Event-Status gerecht wurde, ließ es doch das nötige Quäntchen Genialität vermissen. Als die beiden in den nächsten Gang hochschalteten, blieben die Schultern des Titelträgers bereits nach dem Bloody Cross auf dem Boden. Kurz: Es gab ein überdurchschnittliches Match, aber keinen ganz großen Moment, der die Auseinandersetzung hätte erinnerungswürdig machen können. (18:32) ***¾

Taiji Ishimori revanchierte sich beim amtierenden Champion. (© NJPW)

Abschließende Gedanken

Keine Zeit? Dann wenigstens die letzten drei Turnierkämpfe schauen! Der A-Block hat sich am ersten Abend als Komplettpaket etabliert, das die korrekte Mischung aus technischer Finesse und Brachialität offeriert. Shingo Takagi und SHO setzten die Meßlatte mit einem Brecher an, an den wir uns noch in vielen Jahren erinnern werden. Dazu boten Dragon Lee und Taiji Ishimori einen Main Event, der hinter den Erwartungen der beiden zurücksteckte, die Marschroute aber doch auf anspruchsvolle Weise vorgab. Zusammen mit dem Mattenmeisterstück von Marty Scurll und Jonathan Gresham wandert der Daumen geradewegs nach oben!

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Author: Steffen Götze

Steffen verfolgt das obskure Hobby namens Pro-Wrestling seit 1998 und erfreut sich gleichermaßen an Death Matches, unsichtbaren Handgranaten und langweiligem Klassik-Catch von anno dazumal. Ärgert sich der Dresdener nicht gerade über die jährlichen Mißerfolge der Minnesota Vikings, bemüht er sich nach Kräften, die Kritiken wichtiger Veranstaltungen nach spätestens drei Jahren im Kasten zu haben.

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