NJPW Dominion 6.9 In Osaka-Jo Hall (9. Juni 2019) Preview & Prognosen

Das Best Of The Super Junior Tournament liegt kaum hinter uns, da stehen die Zeichen bereits wieder auf Sturm. Doch bevor die Schwergewichte im G1 Climax übernehmen, hat Dominion das Potenzial, zu einem der besten Events des Jahres zu werden. Junior Heavyweight Champion Dragon Lee vs. Will Ospreay, Intercontinental Champion Kota Ibushi vs. Tetsuya Naito, Heavyweight Champion Kazuchika Okada vs. Chris Jericho – Zeit für die Kristallkugel!

Jon Moxley vs. Shota Umino

In wenigen Jahren wird dieses Match eine beliebte Trivia-Frage darstellen. Shota Umino könnte auf lange Sicht in die Main-Event-Riege aufsteigen und wird spätestens nach seiner Exkursion die Chance bekommen, sich ganz oben zu beweisen. Daß ihm die Ren-Narita-Niederlagenserie im BOSJ erspart wurde, ist nur ein weiterer Beleg dafür, daß innerhalb der Organisation mit Red Shoes Jr. gerechnet wird. Auch das Match gegen den neuen IWGP United States Champion Jon Moxley ist kein Zufall. Der ehemalige WWE-Wrestler hat in den vergangenen Wochen für unzählige Schlagzeilen gesorgt und bekommt es mit einer für seinen Status ungewöhnlichen Herausforderung zu tun. Shota auf der anderen Seite wird selbstverständlich chancenlos bleiben. Doch jede Minute, die er gegen den „Death Rider“ durchhält, macht sich positiv in seiner Bilanz. Tipp: Jon Moxley

Satoshi Kojima vs. Shingo Takagi

Schien es noch vor einer Hand voll Tagen, als würde Shingo Takagi die untere Gewichtsklasse bis wenigstens Jahresende auf seinen Schultern tragen, ist die Niederlage gegen Ospreay langfristig mehr Segen als Fluch. Der scheinbar unbesiegbare Ingobernable wurde vermenschlicht und ist allein dank seiner phänomenalen Leistung im Best Of The Super Juniors Tournament in der Hierarchie aufgestiegen. Sein Wunsch nach einer Konfrontation im Schwergewicht wurde von oberster Stelle erhört. Satoshi Kojimas große Tage liegen zwar hinter ihm. Doch auch mit 48 Jahren auf dem Buckel zählt der zweifache IWGP Heavyweight Champion zu den Besten seiner Zunft. Shingo empfiehlt sich mit einem Sieg für höhere Taten – und könnte später am Abend als Herausforderer für mehrere Championships durchgehen. Tipp: Shingo Takagi

Jushin Thunder Liger & YOSHI-HASHI vs. Minoru Suzuki & Zack Sabre Jr.

Die Aussicht auf das baldige Singles Match zwischen Jushin Liger und Minoru Suzuki könnte kaum rosiger sein. Bei YOSHI-HASHI und Zack derweil steht möglicherweise ein RevPro Undisputed British Heavyweight Championship Match in Großbritannien bevor. Ein Upset über den Titelträger würde dem ewigen Underdog dabei helfen, sein Anrecht zu stärken. Doch so richtig möchte ich nicht daran glauben. Für die beiden „Guten“ genügt eine starke Vorstellung. Oder glaubt auch nur irgendwer daran, daß sich Suzuki und sein Lieblingsschüler ausschließlich auf ihre technischen Fähigkeiten berufen und ein faires Duell auf die Matte zaubern werden? Eben! Tipp: Suzuki & Zack

Hiroshi Tanahashi, Juice Robinson & Juice Robinson vs. Jay White, Chase Owens & Taiji Ishimori

Ryusuke Taguchi ist kurz vor knapp am BOSJ-Finaleinzug gescheitert, Juice Robinson hat die IWGP United States Championship an Jon Moxley abgegeben, Hiroshi Tanahashi ist in seinem Return Match gegen seinen modernen Erzrivalen Jay White gescheitert. Alles andere als ein Erfolg des Seikigun-Trios wäre eine Überraschung. Nicht zuletzt, weil die Jungs vom BULLET CLUB entweder überhaupt keine Rolle spielen (Owens), in den nächsten Monaten unsichtbar sein werden (Ishimori) oder im G1 ohnehin jede potentielle Niederlage vergessen machen (White). Juice Robinson braucht den Fall vermutlich am meisten und wird sich gegen Chase Owens eine kleine Portion Momentum zurückholen. Tipp: Tanahashi, Juice & Taguchi

NEVER Openweight Championship
Taichi (c) vs. Tomohiro Ishii

Wie klingt Tomohiro Ishii vs. Shingo Takagi um die NEVER Openweight Championship? Es ist gut möglich, daß sich der „Dragon“ mit seinem Kampf gegen Satoshi Kojima in eben diese Richtung manövriert. Ob es sinnvoll ist, vorschnell auf diese Paarung zu spekulieren, steht auf einem anderen Blatt Papier. Einen Monat vor dem G1 Climax scheint es eher Taichi zu sein, der sich mit dem Gurt auf der Schulter für seine Debüt-Teilnahme am großen Turnier qualifiziert. Ishii ist Teflon. Er benötigt weder Siege noch Zuspruch im Booking-Hauptquartier. Wenn der „Stone Pitbull“ in den Ring steigt, ist unabhängig seiner Resultate für Stimmung garantiert. Das hilft dabei, die erste Niederlage gegen Taichi zu verkraften. Übrigens: Die Singles-Match-Bilanz der beiden steht bei derzeit 4-0 für den Herausforderer! Tipp: Taichi

IWGP Tag Team Championship
Tama Tonga & Tanga Loa (c) vs. EVIL & SANADA

Die Guerrillas Of Destiny sind jedes Jahr für vier, fünf zünftige Brawls zu haben. Abseits davon wirkt es nur selten, als hätten die Haku-Söhnchen Lust darauf, in den zweiten Gang hochzuschalten. Positiv: Bei Dominion ist mit einer handfesten Schlägerei zu rechnen, wenn die Rivalität mit den Los Ingobernables in die nächste Runde geht. Negativ: Nach mittlerweile drei Tag-Team-Kämpfen und weiteren Multi-Team-Auseinandersetzungen in nur wenigen Monaten löst die Paarung längst keine Glücksgefühle mehr aus. EVIL und SANADA scheinen abgemeldet aus dem Rennen um den ganz großen Gurt. Da paßt es gut ins Bild, wenn die beiden Kumpanen den G1 Climax zum Sammeln neuer Herausforderer nutzen. Die Unregierbaren gewinnen und verteidigen die Championship mindestens bis zum Tokyo Dome! Tipp: EVIL & SANADA

IWGP Junior Heavyweight Championship
Dragon Lee (c) vs. Will Ospreay

Wer immer noch daran zweifelt, daß Will Ospreay zu den besten Wrestlern auf dem Erdball zählt, hat die letzten Jahre unter einem Stein verbracht. Oder ist mit einem eigenwilligen Geschmack versehen. Oder komisch, ein wenig seltsam, sonderlich. Oder einfach sehr, sehr dumm. Im diesjährigen Best Of The Super Junior hat der Brite nicht nur bewiesen, es wochenlang mit jeder Art Gegner vor jeder Art Publikum aufnehmen zu können. Er hat im selben Atemzug die Wrestling-Welt geschockt, als Shingo Takagi nach neun aufeinanderfolgenden Siegen gegen die Besten der Besten ausgerechnet vom „Aerial Assassin“ gestoppt wurde. Die Siegesserie ist gerissen, Ospreay ein weiteres Mal mit der renommiertesten Trophäe der unteren Gewichtsklasse ausgestattet.

Der Sieg gegen Dragon Lee scheint längst obligatorisch. Der Mexikaner hat selbst ein fantastisches Turnier hinter sich und mußte sich ausschließlich Taiji Ishimori und besagtem Shingo Takagi geschlagen geben. Wäre der amtierende Champion im anderen Block gelandet: Wer weiß, ob er nicht den Gesamtsieg eingetütet hätte! Gegen Ospreay sieht es weniger gut aus. Der BOSJ-Gewinner hat zu viel Momentum angesammelt, um an diesem Stolperstein zu scheitern. Dazu sind die kommenden Ausflüge nach Großbritannien und Australien zu prädestiert für Titelkämpfe gegen El Phantasmo und Robbie Eagles – die einzigen Wrestler, gegen die es im BOSJ Niederlagen hagelte. Will Ospreay ist nicht zu stoppen und bleibt ein heißer Favorit auf eine überraschende Teilnahme im G1. Tipp: Will Ospreay

IWGP Intercontinental Championship
Kota Ibushi (c) vs. Tetsuya Naito

Kaum hatte Tetsuya Naito seine Nemesis namens Chris Jericho aus dem Weg geräumt, meldete sich ein neuer Langzeit-Rivale an: Kota Ibushi! Und der „Golden☆Star“ ist kein Durchreisender mehr, der für Programme zu haben ist, die er letztendlich verliert. Ibushi hat seine Heimat gefunden, einen Vertrag unterschrieben und möchte, wenigstens laut eigener Aussage, als New-Japan-Wrestler zurücktreten. Was die beiden im New Japan Cup und bei der G1 Supercard veranstaltet haben, spricht für sich. Beide Kämpfe gingen positiv für Ibushi aus. Für Naito kommt es gar noch schlimmer: Von insgesamt sieben Einzelkämpfen gegen den Kenny-Omega-Kumpan konnte er gerade einmal zwei gewinnen. Wie gut seine Chancen diesmal stehen, weiß er vermutlich nicht einmal selbst. Vor Augen hat Naito allerhöchstens sein Ziel: als Intercontinental Champion die IWGP Heavyweight Championship gewinnen!

Osaka stellte für Tetsuya Naito jahrelang ein schweres Pflaster dar. Das strenge Publikum durchschaute seinen in die Hose gegangenen Push anno 2013, machte dem frisch aus der Verletzung zurückgekehrten und prompt mit G1-Sieg belohnten „Stardust Genius“ die Hölle heiß und darf retrospektiv als einer der Gründe für die Transformation zum Unregierbaren betrachtet werden. Mittlerweile haben sich Osaka und Naito versöhnt. Ein Sieg über Ibushi würde Naito mit dem Gurt belohnen und ein weiteres Kapitel schließen. Doch Ibushi ist kein beliebiger Titelträger. Der „Golden☆Star“ betrachtet die Intercontinental Championship wie eine Mutter ihren Sohn. Sie ist ein Schätzchen, das durch seine Götter Shinsuke Nakamura und Hiroshi Tanahashi popularisiert wurde.

Für Naito hört sich eine dritte Niederlage in Folge nach einer Katastrophe an. Doch ist sie das wirklich? Der G1 Climax steht kurz bevor und das Oberhaupt der Los Ingobernables darf als genauso großer Favorit wie Kota Ibushi gewertet werden. Der Verlierer hat womöglich sogar wesentlich größere Chancen darauf, das prestigeträchtige Turnier zu gewinnen. Denn im Rest des Jahres ist genug Zeit vorhanden, um den jeweils anderen auf absehbare Zeit hinter sich zu lassen. Der Gedanke daran, daß beide im gleichen Block, vielleicht sogar im Finale gegeneinander kämpfen, ist keineswegs abwegig. Naito verliert, gewinnt den G1 Climax und revanchiert sich währenddessen oder kurz danach! Tipp: Kota Ibushi

IWGP Heavyweight Championship
Kazuchika Okada (c) vs. Chris Jericho

Für so manchen New-Japan-Puristen mag der Gedanke daran, daß Chris Jericho den Sommer mit der IWGP Heavyweight Championship verbringt, fürchterlich klingen. Aber so verrückt ist der Gedanke eben nicht! Der selbsternannte „Painmaker“ hat diesen Kampf selbstverständlich nicht verdient, seit seiner Rückkehr ins Land der aufgehenden Sonne sogar gerade einmal zwei von vier Kämpfen gewonnen. Doch Jericho ist ein internationaler Superstar, der Augen auf das Produkt lenkt und spätestens seit der Gründung von AEW einmal mehr in aller Munde ist. Ja, Freunde: Der Verdacht, daß der ehemalige WWE-Superstar in wenigen Monaten sowohl mit IWGP Heavyweight Championship als auch AEW Championship posiert, könnte wahrscheinlicher sein, als vielen von uns lieb sein mag.

Machen wir uns nichts vor: Daß der große Gurt unter Jerichos Fuchtel genauso lang von der Bildfläche verschwindet wie die IWGP Intercontinental Championship, würde bis zum Sommer weniger als keine Rolle spielen. Der G1 steht in den Startlöchern und gibt besten Anlaß, die Heavyweight-Ränge durchzuwirbeln, neue Rivalitäten und Herausforderer zu kreieren. Jericho könnte problemlos einen weiteren Tanz gegen Okada fordern, verlieren und den Status quo wiederherstellen. Ein Volltreffer aus Booking-Sicht? Vielleicht nicht, aber eben ein Garant dafür, New Japan international im Gespräch zu halten und national eine weitere große Halle zu füllen. Und manchmal geht es einfach um nicht mehr als das. Wen interessiert es unterm Strich, daß Jericho nicht in diesem Match stehen sollte, wenn er Tickets und Abos verkauft?

Wenn Jericho morgen den Judas Effect landet und Okadas Schultern drei Sekunden lang auf dem Boden bleiben, drehe ich eine freche Siegerrunde. Ich bin trotzdem zu feige, an dieser Stelle auf ihn zu tippen! Okada vs. Jericho ist kein Okada vs. SANADA, kein Match, bei dem der Sieger längst feststeht. Es handelt sich trotz der nicht ganz optimalen Vorgeschichte um eine Auseinandersetzung, die tatsächlich 50/50 stehen könnte. Wer hätte das gedacht, als Jericho bei Wrestle Kingdom gegen Tetsuya Naito unterlag? So kurz vor dem G1 Climax sind die verrücktesten Dinge möglich. Schreibt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Tipp: Kazuchika Okada

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Author: Steffen Götze

Steffen verfolgt das obskure Hobby namens Pro-Wrestling seit 1998 und erfreut sich gleichermaßen an Death Matches, unsichtbaren Handgranaten und langweiligem Klassik-Catch von anno dazumal. Ärgert sich der Dresdener nicht gerade über die jährlichen Mißerfolge der Minnesota Vikings, bemüht er sich nach Kräften, die Kritiken wichtiger Veranstaltungen nach spätestens drei Jahren im Kasten zu haben.

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