NJPW Road To Destruction 2018 (7. September) Review: Ishii & Ospreay vs. Golden☆Lovers

Acht Tage vor dem Duell um die IWGP Heavyweight Championship treffen sich Titelträger Kenny Omega und Herausforderer Tomohiro Ishii auf ein Special Tag Match. An ihrer Seite: Golden☆Lovers-Kumpan Kota Ibushi und „Aerial Assassin“ Will Ospreay. Auf dem Papier ein Gewichtsnachteil für die CHAOS-Mannschaft – im Ring eine Chance, Barrieren zu durchbrechen. Der Brite ist schmächtiger, dafür größer und schneller als seine Gegner. Ein perfekter Komplimentär zu den Stärken des „Stone Pitbulls“.

Yujiro Takahashi & Chase Owens besiegten Shota Umino & Ren Narita

Die letzten Wochen erwiesen sich für den BULLET-CLUB-Bodensatz als bescheiden. Yujiro und Chase schafften es gerade einmal als Zuspieler in die G1-Undercards. Wartete das Kronjuwel weiterhin vergeblich auf seine erste Einladung, durfte sich der „Pimp“ zuletzt 2015 um den Tokyo Dome Main Event bewerben. Gegen den Nachwuchs lief es da schon besser.

Eine Niederlage für die Veteranen stand nie ernsthaft im Raum. Doch die Young Lions hatten im Dojo nicht nur Selbstvertrauen getankt, sondern auch an Double-Team-Manövern gearbeitet. Für so viel Einsatz setzte es sogleich Bumps neben den Ring, für Narita sogar einen übelaussehenden Sturz in die erste Reihe. Kaum reichte es für den heißen Wechsel, legte Umino los wie die Feuerwehr. Die Überraschung blieb allerdings aus. Narita fehlte es in den entscheidenden Sekunden an Durchsetzungsvermögen. Ein Package Piledriver von Chase Owens besiegelte das Ende der jungen Wilden. (8:16) **¾

In der Undercard konnten selbst Chase und Yujiro gewinnen. (© NJPW)

Bad Luck Fale, Tama Tonga, Tanga Loa & Taiji Ishimori besiegten Juice Robinson, Michael Elgin, David Finlay & Ayato Yoshida

Je weniger über den G1 Climax der BULLET CLUB OGs gesprochen wird, desto besser. Als Geschenk gab’s zum Tour-Ende die NEVER Openweight Six Man Tag Team Championship, eine machbare ersten Herausforderung in Form von Juice Robinson, David Finlay und Ryusuke Taguchi inklusive. Daß mit Ayato Yoshida ein nunmehr regelmäßiger Gast auf der Gegenseite um Anerkennung buhlte, nahm die Entscheidung am heutigen Tag vorweg.

Das Match entwickelte sich auf die für Multi-Man-Kämpfe übliche Vorgehensweise. Jeder Kontrahent erhielt seine Minuten inklusive kurzer Offensiven, bevor Chaos ausbrach, nacheinander Bumps genommen wurden und die Schlußphase startete. Wie beim G1-Finale bekam Yoshida nur wenig Scheinwerferlicht zugespielt. Setzte er sich mit seiner Geschwindigkeit zunächst noch gegen Tanga Loa durch, war zügig nach dem Apeshit Schluß. Der zweite obligatorische Sieg für den BULLET CLUB. (9:34) **½

Finlay und Juice fragten Tama, warum er so ein Tölpel ist. (© NJPW)

Beretta besiegte Toa Henare

Da war er wieder! Der zu den Schwergewichten gewechselte Beretta kehrte nach einem halben Jahr in die Korakuen Hall zurück. Konnte er sich bei der Honor Rising Tour im Februar mit Ach und Krach auf den Beinen halten, schienen die Wehwehchen nun ausgeheilt. Zumindest war das bei einem kantigen Gegenüber wie Toa Henare zu hoffen!

Die ersten Minuten bestimmte das CHAOS-Mitglied nach Belieben. Henare wurde um den Ring geprügelt, bekam eine brutale Chopsalve im Seilgeviert zu spüren und schaffte es schließlich erst dank der Unterstützung der Zuschauer ins Match. Mit mehr Erfahrung hätte es möglicherweise für einen Sieg gereicht. Gegen Beretta war unterm Strich schlichtweg nichts zu machen. Der vierfache Junior Heavyweight Tag Team Champion trotzte jedem Sturm, schlug nach einem Piledriver mit dem Dudebuster zu und versorgte sich vor dem Main Event am kommenden Tag mit einer großen Portion Rückenwind. (8:47) **¾

Henare hummelte erfolglos auf den ersten großen Sieg. (© NJPW)

Hirooki Goto & Gedo besiegten Taichi & TAKA Michinoku

Doppelte Packung für New-Japan-Präsident Harold Meij: Wurde er von Taichi unfreundlich mit dem Mittelfinger begrüßt, schien Gedo nicht gewillt, der neuen Regelung nach ausbleibenden Schimpfworten gerecht zu werden. „Fucks“, „Shits“ und „Motherfuckers“ hallten lautstark nach, als Suzuki-gun die Korakuen Hall in ein Schlachtfeld verwandelte und den Nicht-mehr-Manager von Kazuchika Okada durch den Fleischwolf drehte.

Bis zum Wechsel zu Hirooki Goto geschah exakt nichts. Doch so wenig sich Taichi auch um eine anspruchsvolle Leistung bemühte: Das Publikum hatte seinen Spaß. Und immerhin gab es noch einen Funken Gerechtigkeit, als der amtierende NEVER Openweight Champion aufdrehte und per GTR an TAKA für den Erfolg seines Teams sorgte. Am zweiten Abend der zweite Tour-Sieg für Team Goto. Ein Indiz für einen potentiellen Titelwechsel? (9:19) **½

Naht der erste IWGP-Einzeltitel für Regelbrecher Taichi? (© NJPW)

Tetsuya Naito, EVIL, SANADA & BUSHI besiegten Minoru Suzuki, Takashi Iizuka, Yoshinobu Kanemaru & El Desperado

Mehr davon – nur anders! Beließen es Taichi und TAKA bei einem vergleichsweise kurzen Ausflug um den Ring, legte der Rest der Suzuki-gun auf beängstigende Weise nach. Das Oberhaupt der Schurkenbande nahm sich seinen aktuellen Erzfeind so ordentlich zur Brust, daß Naito zeitnah mit einer Platzwunde durch die Korakuen Hall marschierte. Auch als sich das Geschehen in den Ring verlagerte, ließen Suzuki und seine Schergen keine Möglichkeit aus, den Anführer der japanischen Los Ingobernables in die Mangel zu nehmen. Er wurde durch die Ringseile gewürgt, gebissen, mit Faustschlägen malträtiert – was immer die Herzen der Übeltäter begehrten.

Naito kämpfte sich mit letzter Kraft aus dem Gotch-Style Piledriver und leistete so lang Gegenwehr, bis es endlich für den überfälligen Wechsel reichte. Mit dem frischen SANADA wendete sich das Blatt. Die Unregierbaren hatten weiterhin ihre Probleme mit der unorthodoxen Taktik ihrer Gegner. Doch EVIL gelang es meisterlich, einen gemeinschaftlichen Angriff zu überstehen, bis seine Jungs endlich eine Lösung für das SZKG-Problem fanden. Als erneut eine Prügelei aller Beteiligten ausbrach, wurde Takashi Iizuka mit dem Magic Killer ausgeschaltet. Der Pinfall durch den „King Of Darkness“ war Formsache. Suzuki scheiterte nach der Niederlage an einer weiteren Attacke und ließ zum Unglück der am Ring arbeitenden jungen Löwen einen erstaunlich fröhlichen Tetsuya Naito zurück. (12:03) ***

SANADA und EVIL entschieden den Kampf per Magic Killer. (© NJPW)

Kazuchika Okada, Toru Yano & YOSHI-HASHI besiegten Hiroshi Tanahashi, Togi Makabe & Tomoaki Honma

Tanahashi und Okada starteten in das Match – und es war eine kurze Wiederholung ihres G1-Aufeinandertreffens. Okada, nun wieder als „Midlife Crisis Rainmaker“, bekam keinen Schritt vor den anderen. Parallel zu den Attacken konnte sich das „Ace Of The Universe“ wiederholt an YOSHI-HASHI wenden – ein, wie bereits etabliert, potentiell gern gesehener und bei CHAOS weit unter Wert verkaufter Rekrut für Team Tana.

Wie bei Beretta eine Stunde vorher freuten sich die Zuschauer auf die Rückkehr von Great Bash Heel. Makabe und Honma kämpften zuletzt vor eineinhalb Jahren in der prestigeträchtigen Korakuen Hall – und wurden dementsprechend mit soliden Reaktionen bedacht. Die Fans waren da, wann immer Honma am Drücker war oder in die Bredouille geriet. Mit den großem Zuspruch der letzten Jahre war der heutige Abstecher jedoch kaum zu vergleichen. Ein Umstand, der vielleicht auch der allzu gleichen Matchstruktur geschuldet war.

Denn der Kampf verlief wie jedes Six Man Tag Team Match bei New Japan. Und nicht zuletzt so, wie bereits zwei frührere Kämpfe am Abend: Ein paar Minuten gestalteten sich vergleichsweise regelgetreu, davor und/oder dazwischen folgten der Brawl um den Ring und unübersichtliche Rangeleien aller Beteiligten, bis sich zwei Wrestler für das Ende empfahlen. In diesem Fall Honma und Yano. Das bessere Ende gab’s für „YTR“. Nach einer gemeinsamen Offensive von Great Bash Tana überraschte er Honma beim Ansatz zu einem Running Kokeshi mit einem Tiefschlag. Der Pinfall folgte per Schoolboy. (13:25) ***

Die Rückkehr in die Korakuen Hall hatte sich Great Bash Heel anders vorgestellt. (© NJPW)

Kenny Omega & Kota Ibushi besiegten Tomohiro Ishii & Will Ospreay

Plätscherte der Event bis hierhin ereignisreich und frei von Highlights vor sich hin, vermittelten Golden☆Lovers und CHAOS erstmals das Gefühl, einen historischen Moment miterleben zu können. Und sei es nicht zuletzt wegen Will Ospreay, der allein ob seiner Größe eher früher als später zu den Schwergewichten wechseln und Programme mit sowohl Omega als auch Ibushi arbeiten könnte. Passend dazu ging es gleich mit dem „Golden☆Star“ zur Sache – einem Wrestler, der im Grunde nur statusbedingt in der höheren Gewichtsklasse kämpft, das Limit selbst aber um gute 10 Kilogramm verpaßt.

Und wer hätte es gedacht: Nicht nur die Golden☆Lovers, sondern auch Ishii und Ospreay haben Zeit im Ring verbracht, um sich besser aufeinander abzustimmen. Schon nach wenigen Minuten etablierten beide Teams, daß es sich keineswegs um ein gewöhnliches Preview Match handelte, bei dem Titelträger und Herausforderer beliebige Partner zum Seilgeviert schleppten. Es handelte sich stattdessen um einen ausgeglichenen Schlagabtausch von vier Wrestlern, die herausragende Monate genossen und allesamt ein Anrecht auf die imaginäre „MVP 2018“-Trophäe inne hatten.

Blinder Zusammenhalt machte den Unterschied. Denn auch wenn die CHAOS-Streiter keine wilden Hauptkämpfe bei ALL IN in den Knochen hatten, so verfügten sie eben doch nicht über die stumme Kooperation, die Kenny Omega und Kota Ibushi seit jeher verbindet. Will Ospreay leistete die Gegenwehr seines Lebens, brach jedoch ultimativ unter dem Golden☆Trigger zusammen. Die Golden☆Lovers gewannen einen Kampf, der an fünf von zehn Nächten genauso schnell hätte verloren gehen können. In dieser entschied ihre mehr als nur strategische Zusammenarbeit.

Und jetzt brauche ich dringend Kota Ibushi vs. Will Ospreay. (19:30) ****

Am Ende stand ein Statement-Sieg der Golden☆Lovers. (© NJPW)

Fazit

Abschließende Kritiken für New Japan Events fallen schwer. Denn was für fast jede andere Promotion der Welt die größte Veranstaltung des Jahres sein könnte, ist beim Marktführer aus Nippon mitunter eben doch nur eine Darbietung unter vielen. Da ist auch die Korakuen Hall längst nicht mehr, was sie einmal dargestellt hat. Und warum auch? New Japan bespielt sie nur noch aus Prestigegründen. Jede Card ist mit Vorsicht zu genießen, teilweise nur noch mit Ach und Krach über dem Durchschnitt für gewöhnliche Houseshows.

Gleichzeitig gibt es eben doch noch die wenigen wichtigen Matches, die zu schauen es lohnt. Golden☆Lovers vs. Ishii & Ospreay gehört dazu. Gleichzeitig kann jeder andere Kampf übersprungen werden, weil nichts dargeboten wird, das auch nur am nächsten Abend einen sonderlich großen Einfluß genießt. Bei wenig Zeit: Gönnt euch den Hauptkampf – spart euch alles andere!

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Author: Steffen Götze

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