NJPW Road To Destruction 2018 (8. September) Review: Tanahashi & Juice vs. Okada & Beretta

Kenny Omega und Tomohiro Ishii hatten sich die ersten Argumente an den Kopf geworfen. #1-Herausforderer Hiroshi Tanahashi und Kazuchika Okada folgten auf den Fuß. Die beiden Dauerrivalen griffen nicht allzu tief in Trickkiste, scharten mit Juice Robinson und Beretta zwei verläßliche Kollegen um sich – und ließen die Fäuste fliegen! Im Rahmen der Road To Destruction Tour ging es zum zweiten Mal in die Korakuen Hall.

(Vorweg: Die Kritik kommt zwei Wochen zu spät und hat mittlerweile weniger als gar keine Relevanz mehr. Schon dreimal nicht nach den einschneidenden Wendungen am letzten Abend der Destruction Tour. Allerdings pimmelte das zu 80 Prozent fertige Review seit eben so langer Zeit unfertig auf meiner Festplatte herum … und das muß ja auch nicht sein! Also raus damit, bevor die bisherige Arbeit völlig umsonst gewesen ist.)

Shota Umino & Yuya Uemura besiegten Ren Narita & Yota Tsuji

Am Vortag miteinander, heute gegeneinander: Shota Umino und Ren Narita haben sich an der Spitze der Young Lions etabliert, dabei bereits zwei oder immerhin einen Knieschoner ergattert. Uemura und Tsuji derweil stehen am Anfang der Nahrungskette und waren konsequent dabei, sich schon vor dem offiziellen Kampfbeginn mit Freundlichkeiten auszustatten. Ein Favorit ist bis dato nicht ausgemacht. Bei insgesamt zehn Singles Matches reichte es bisher ausschließlich für 10 Minute Time Limit Draws. Einen Erfolg über den jeweils anderen sollten sie auch diesmal nicht erringen können.

Wie üblich bei den Young Lions: Ausstrahlung und Feuer sind alles. Mehr ist aus dem begrenzten Repertoire nicht herauszuholen. Wohnt Umino und Narita wie unter anderem Kawato, SHO und YOH vor ihnen eine freundliche Präsenz inne, wirkt Tsuji schon jetzt wie ein angehender Rüpel. Für mehr als die männlichste Optik der aktuellen Generation reichte es aber noch nicht. Shota spielte seinen Erfahrungsschatz aus, erwischte Tsuji mit einem Missile Dropkick und beendete den Kampf per Boston Crab.

Starker Opener, in dem jeder Jungspund die ihm zustehende Aufmerksamkeit erhielt. Keine Aktion schien verschwendet, keine Sekunde blieb ungenutzt. Jede noch so kleine Bewegung war einzig darauf ausgelegt, den wichtigen Sieg davonzutragen, die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen. Ein Gefühl der Dringlichkeit, das selbst so mancher Veteran zu oft vermissen läßt. (8:58) **½

Umino und Uemura revanchierten sich für ihre gemeinsame Niederlage in Nagoya. (© NJPW)

Chase Owens besiegte Ayato Yoshida

Anders als bei seinen bisher ausgestrahlten Matches im New-Japan-Hauptkader erhielt Ayato Yoshida endlich Zeit und Gelegenheit, seine Qualitäten im Einzelkampf unter Beweis zu stellen. Mit Chase Owens fand sich ein perfekter Gegner, der die Arbeit in der Undercard versteht und seinen Spot hervorragend auszufüllen weiß, ohne auch nur einen Funken wichtiger auszusehen als notwendig. Auch stilistisch gab das Kronjuwel des BULLET CLUBs den optimalen Gegensatz zu den Haudrauf-Methoden Yoshidas.

Jugendlicher Kampfgeist gegen taktische Abgebrühtheit. Chase Owens ließ keine Chance vergehen, Yoshida im richtigen Moment abzuschneiden und zu drangsalieren. Der Jüngling vom K-DOJO stieß aber bald auf eine interessante Entdeckung: das „Crown Jewel“ war zwar nicht anfällig für PKs, dafür aber für Aufgabegriffe, die keine große Vorbereitung benötigten. Zu blöd nur, daß Owens mit Seil und Stich in die Augen entkommen und letztendlich den Package Piledriver durchziehen konnte. An just diesem Abend sollten Erfahrung und routinierte Betrügereien die Oberhand behalten. (8:34) **¾

Chase Owens ließ sich von Yuji Nagatas Liebling nicht aus der Reserve locken. (© NJPW)

Bad Luck Fale, Tama Tonga, Tanga Loa & Taiji Ishimori besiegten Togi Makabe, Michael Elgin, David Finlay & Toa Henare

Ausgerechnet Charismaloch Taiji Ishimori stattet die BULLET CLUB OGs mit dem aus, was sie seit ihrer Abrechnung mit Kenny und Co. vermissen lassen: Dynamik und Energie. Ihm wiederum fehlt es an Ausstrahlung und eben der authentischen Brutalität, die sowohl Fale als auch die Guerrillas als relevanten Bestandteil des Kaders auszeichnet. Daß Taiji nach seinem starken Erstauftritt im Best Of The Super Juniors vom New-Japan-Erdball verschwunden schien, ist dadurch gleich viel besser zu erklären.

Den OGs mangelt es an individuellen Stärken für die großen Main Events. Im Team funktioniert’s aber umso besser – angemessene Erwartungshaltung vorausgesetzt. Wie hier eben! Mit Elgin, Finlay und Henare fanden sich auf der gegnerischen Seite gleich drei Wrestler ein, die Einsatz- und Bumpbereitschaft mitbringen. Das Ergebnis war ein dementsprechend schneller und zügiger Kampf, in dem sich jeder Beteiligte seinen Vorzügen gemäß in Szene setzte. Das Schlußlicht bildete auch diesmal Henare. Kassierte er am Vorabend den Apeshit, strich er heute nach dem Gun Stun die Segel. (9:10) **¾

Da staunte Hattori: Tama Tonga fertigte Toa Henare ab. (© NJPW)

Hirooki Goto & YOSHI-HASHI besiegten Taichi & Yoshinobu Kanemaru durch Disqualifikation

Apropos Erwartungshaltung: Auch bei Taichi sollte sie möglichst gering sein. Auf jede erstaunlich gute Leistung kommen fünf Stinker, in denen er überhaupt nichts macht. YOSHI-HASHI und Kanemaru waren neu, der Rest bis auf das DQ-Ende identisch mit dem ersten Tour-Ausflug in die Korakuen Hall. Es gab einen Brawl um den Ring, ein munteres Gezerre an den Augen der CHAOS-Burschen und als letzte Instanz Taichis in die Waagschale geworfenen Mikrophonständer, um die verschwendete Lebenszeit perfekt zu machen.

Was bis zum Ringgong geleistet wurde, war schlichweg zu wenig. Selbst die Zuschauer reagierten nur noch halb so gut auf die Frechheiten der Suzuki-gun. Warum auch? Sie hatten das Match mit minimalen Abweichungen bereits gesehen – dank Gedo und TAKA sogar mit charismatischeren Nebenfiguren. Für keinen der Beteiligten gab es einen Grund, sich an dieser Stelle verausgaben zu müssen. Enttäuschend war das alles trotzdem. Und keine gute Werbung für das NEVER Openweight Championship Match. Taichi vergriff sich nach dem Match an den jungen Löwen und fertigte Goto mit einer Last Ride Powerbomb ab. (10:02) *½

Selbst die Whiskeydusche ging daneben. (© NJPW)

Tetsuya Naito, EVIL, SANADA & BUSHI besiegten Minoru Suzuki, Takashi Iizuka, El Desperado & TAKA Michinoku

Gedo ist ein smarter Booker. Doch seine übliche Methodik sorgt eben auch dafür, daß für Komplettisten mit abweichendem Geschmack schnell das Ende der Fahnenstange erreicht sein kann. Wie mit dem unlustigsten Freund, der vor fünf Jahren einen erstaunlich guten Witz gerissen hat und noch heute davon erzählt.

Es gibt unterhaltsame Brawls zwischen den Los Ingobernables und der Suzuki-gun. Doch treffen sie im Rahmen der Touren wieder und wieder aufeinander, fühlt sich der 252. Kampf eben doch nicht mehr so relevant an wie der erste. Am Vorabend noch interessant, hier war die Luft bereits raus. Dazu kommt, daß der Konflikt zwischen Tetsuya Naito und Minoru Suzuki lustlos vom Zaun gebrochen scheint, um die Destruction Tour mit einem dritten Hauptkampf zu „veredeln“. Ganz zu schweigen davon, daß mit der Auseinandersetzung zwischen Hirooki Goto und Taichi nur wenige Minuten vorher die exakt identische Schiene gefahren wurde.

Es wäre falsch, von einem schlechten oder langweiligen Kampf zu reden. Eher ist es so, daß eine Tour mit täglichem SZKG-Doppelpack an die Nieren geht. Erst recht, wenn die Leidensbereitschaft für die Mannen um Tetsuya Naito fehlt. Der Chef der Jungs hat allerspätestens beim Jericho-Duell bewiesen, nicht übermäßig interessant zu sein, wenn er die designierte Face-Rolle einnimmt. Wozu mitleiden, wenn ihm dank Scheißegal-Gimmick doch sowieso fast alles bums ist? Der Angle um seinen Tokyo-Dome-Headliner-Wunsch ist vorbei. Eine neue Idee muß her.

Auch beim Rest der Bande fehlt jedes Gefühl für ein spannendes Dasein als Underdog. Wie 24 Stunden zuvor behielten die Unregierbaren die Nase vorn. BUSHI schaltete TAKA mit dem MX aus und besiegelte die vierte Korakuen-Niederlage der Suzuki-Armee. Nach dem Match wurde Opa Minoru erneut davon abgehalten, Naito in den Boden zu rammen. (12:36) **½

Gelungene Turniervorbereitung: BUSHI siegte mit dem MX! (© NJPW)

Tomohiro Ishii, Toru Yano & Will Ospreay besiegten Kenny Omega, Kota Ibushi & Yujiro Takahashi

Nachdem die Golden☆Lovers, Ishii und Ospreay am Vorabend die Hütte abgerissen haben, beließen sie es am zweiten Tag in der Korakuen Hall bei einer Hand voll Bumps und einer weit weniger wütenden Angelegenheit. Der Unterschied zu den Sparflammeauftritten der SZKG: Es war spaßige und harmlose Unterhaltung, die für den zweiten Hauptkampf vielleicht zu zahm ausfiel, aber wenigstens keine Längen hatte. Die Jungs hielten sich größtenteils zurück, duellierten sich im Rahmen von Comedy-Spots, im Anschluß gelang Yano nach einem Tiefschlag der Einroller-Sieg über Yujiro. Kurz und schmerzlos. (9:15) **¾

In diesem Leben werden Tomohiro Ishii und Kenny Omega keine Freunde mehr. (© NJPW)

Hiroshi Tanahashi & Juice Robinson besiegten Kazuchika Okada & Beretta

Ein würdiger Abschluß einer Card, in der schlichtweg nichts relevant schien. Tanahashi und Okada schlagen demnächst das möglicherweise letzte Kapitel ihrer Fehde auf – und es wirkte doch niemals, als würde ein epochales Ende der größten Fehde der letzten Jahre bevorstehen. Okadas Transformation zum „Midlife Crisis Rainmaker“ schont seine Knochen und schärft seinen Charakter mit neuen Facetten, läßt aber eben doch das Feuer vermissen, das Gedos ehemaligen Schützling in den letzten Jahren zum Aushängeschild New Japans werden ließ. Daß er sich mittlerweile auch in vergleichsweise irrelevanten Teamkämpfen zurückhält, ist kein Kritikpunkt. Doch wo genau ist der Okada, der seinen Erzfeind endgültig in die Schranken weisen und eine neue Titelregentschaft anstreben möchte?

Mit Juice und Beretta sieht es nicht besser aus. Beide sind exzellente Arbeiter, die in den kommenden Jahren umso mehr aufzeigen werden, daß längst kein Karriereende naht, wenn der Abstecher ins Titanland mißlingt. Doch während Tanahashi und Okada erstaunlich ruhig blieben, gab es bei ihnen einfach keinen nennenswerten Konflikt. Beretta steckt seit Heavyweight-Wechsel und Verletzungspause erneut in einem Tag Team fest. Juice hingegen wartet gemütlich darauf, seinen Titel an Cody abzugeben. Ein überraschender Sieg vom ehemaligen Dude Buster stand nicht in den Sternen. Die final durch Pulp Friction eingetretene Niederlage paßte da schon eher ins Bild. (21:15) ***

Die netten Jungs beendeten den Abend erfolgreich. (© NJPW)

Fazit

New Japan hat den September zum ersten Mal seit 2013 mit der Aussicht auf ein IWGP Heavyweight Championship Match garniert. Besonders hochwertig war der Einstieg in die Destruction Tour allerdings nicht – zumindest, wenn wir von der hoch angelegten Meßlatte der Promotion ausgehen. Von zwei Korakuen Events wird lediglich ein Match in Erinnerung bleiben. Und das ausgerechnet wegen Nebencharakteren, die schnurstracks auf ein unerwartetes Singles Match zusteuern: Kota Ibushi und Will Ospreay.

Der Rest der Mannschaft legte sich nicht auf die faule Haut, verausgabte sich aber auch nicht über Gebühr. Konnten Undercards und Hauptkämpfe bei beiden Events überzeugen, ist der SZKG-Block nur schwer erträglich. Team Suzuki kann zweifelsohne ein interessanter Teil des Kaders sein. Doch wenn Los Ingobernables, BULLET CLUB und seit Jay Whites Rückkehr auch ein Teil von CHAOS ein ähnliches Profil mitbringen, gibt es zu viel Brawling in zu kurzer Zeit, zu viele Schema-F-Matches ohne Abwechslung.

Alles in allem ein guter Event, der aber keine Highlights auf Lager hielt.

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Author: Steffen Götze

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