NJPW World Tag League 2018 (17. November) Review: CHAOS vs. LIJ, Guerrillas Of Destiny vs. Great Bash Henare

Die Junior Heavyweights hatten fertig, die schweren Jungs waren dran! Und die bekamen gut zu tun: 14 Teams treffen in einem einzigen Block aufeinander und machen bis zum 9. Dezember die Sieger der World Tag League aus. Am heutigen Tag gaben sich die ersten acht Teams ein Stelldichein. Im Hauptkampf prallten CHAOS und Los Ingobernables.

Michael Elgin & Jeff Cobb besiegten Yota Tsuji & Yuya Uemura

Der Umgang mit verrückten Bräuten trägt niemals positive Früchte. Das hat Michael Elgin pünktlich zur letztjährigen Tag League bemerkt, als Kritik an seinem Partner Jeff Cobb und eheunfreundliche Details aus seinem Liebesleben publik wurden. Während die kritischen Stimmen der War-Machine-Mannschaft mittlerweile aus dem Titanland erklingen, scheinen die Wogen mit dem Olympioniken aus der Welt geschafft. Zumindest läßt das im Mai angenommene Glory-Pro-Booking Cobbs darauf schließen.

Als Teambuilding-Maßnahme bekamen die Muskelprotze die derzeit kräftigsten Young Lions vor die Nase gesetzt. Eine Herausforderung, die wenig überraschend mit überschaubaren Problemen einherging. Elgin und Cobb präsentierten sich als kompetent aufeinander abgestimmte Einheit, die sich von den Offensiven der Jungspunde keineswegs aus der Ruhe bringen ließ. Nachdem Uemura abwechselnd in die Mangel genommen wurde, scheiterte Tsuji am Versuch, den überraschenden Sieg abzustauben. Die Endstation hieß Tour Of The Islands. Eine gelungene Generalprobe für den ersten Turnierkampf gegen EVIL und SANADA. (7:24) **½

Yota Tsuji unternahm den Inseltrip. (© NJPW)

Zack Sabre Jr. & Taichi besiegten Tomoaki Honma & Ren Narita

Schien die diesjährige World Tag League noch vor wenigen Monaten zum letzten Aufgebot der Haudegen von Great Bash Heel werden zu können, ließ die In-Ring-Rückkehr von Tomoaki Honma jeden Gedanken an das Turnier vergessen. Die vielen Verletzungen der letzten Jahre fordern merklich ihren Tribut. Mittlerweile ist Honma so steif und ungelenk wie Nakanishi oder Jado, maximal für einen kurzen Auftritt in der Undercard zu haben.

Glück im Unglück für den Death-Match-Veteran: Narita ließ sich so früh provozieren, daß er den Großteil des Kampfes auf eigene Faust bestreiten und im Grappling-Arsenal Zacks festklemmen durfte – wenn er von Taichi nicht gerade durch die Publikumsreihen geprügelt wurde. Honma sorgte vorübergehend dafür, die Wogen zu glätten. Der Wechsel zurück zu Narita erwies sich als nachteilig für das unerfahrene Gespann: Zack blockierte den Kokeshi, Taichi fertigte den inzwischen mit Platzwunde ausgestatteten Rookie mit dem Tensho Jujiho ab. (11:08) **½

Taichi beendete den Abend von Ren Narita. (© NJPW)

Minoru Suzuki, Takashi Iizuka & El Desperado besiegten Lance Archer, Davey Boy Smith Jr. & Yoshinobu Kanemaru

Scheuen sich andere Gruppierungen davor, schonungslos gegeneinander vorzugehen, gibt es bei der Suzuki-gun keine falschen Sympathiebekundungen. Das Trio um Minoru ging überpünktlich in den Angriff über. Der anschließende Brawl durch das Chichibunomiya Memorial Gymnasium war Formsache. Mit interessanten Paarungen: Suzuki und Archer, die anno 2011 das Turnier gewannen, prügelten wild aufeinander ein. Zeitgleich klärten mit Kanemaru und Desperado die amtierenden Junior Heavyweight Tag Team Champions bisher unausgesprochene Animositäten.

An einen gewöhnlichen Kampfablauf war, wie erwartet, nicht zu denken. Das Ende kam so plötzlich wie der Anfang. Als wieder einmal Chaos ausbrach, landete Kanemaru für den Gotch-Style Piledriver zwischen den Beinen seines Anführers. Wenige Sekunden später war sein Abend gelaufen. Immerhin: Kaum war die Auseinandersetzung vorbei, stellten die Jungs ihre Handgreiflichkeiten ein, beließen es vor dem Turnier bei verbalen Drohungen. (6:37) **½

Minoru Suzuki sendete eine Nachricht an die Killer Elite Squad. (© NJPW)

World Tag League 2018
Juice Robinson & David Finlay [2] besiegten Ayato Yoshida & Shota Umino [0]

Es gibt Teams, die als Favorit auf den Turniersieg starten, die als Geheimfavoriten gehandelt werden oder deren Chancen vergleichsweise schlecht stehen. Außerdem gibt’s Yoshida und Umino, deren Turnier als Erfolg gewertet werden kann, wenn sie im Verlauf der nächsten Wochen auch nur zwei Zähler einstreichen. Neben der fehlenden Erfahrung mangelt es vor allem an Chemie. Die beiden Azubis ziehen nicht als langjährige Freunde und Gefährten in den Ring. Sie sind Rivalen mit hohen Ambitionen, einander auszustechen und die nächste Stufe der Karriereleiter vor dem jeweils anderen zu erklimmen.

Juice und Finlay auf der anderen Seite sind in den vergangenen Jahren freundschaftlich verbandelt – ganz ohne problematische Beziehung zueinander. Doch trotz der schlechteren Ausgangslage hielt sich der Nachwuchs mit beachtlicher Vehemenz über Wasser. Die beiden Gaijin nahmen ihre Gegner anfänglich auf die leichte Schulter und hatten konsequent ihre Not, der energischen Vorstellung beider Rookies standzuhalten. Die Sensation blieb Shota Umino verwehrt. Nach starken Minuten brachte Finlay den Prima Nocta ins Ziel und sicherte sich die ersten zwei Punkte für sein Team. (8:59) **¾

Juice und Finlay waren den Rookies voraus.  (© NJPW)

World Tag League 2018
Yuji Nagata & Manabu Nakanishi [2] besiegten Satoshi Kojima & Hiroyoshi Tenzan [0]

Auf die jungen Teams im Turnier-Opener folgte sogleich die dritte Generation. Und die hatte gut Lust, sich einzuschenken und mürbe zu machen! Weder TenKoji noch Nagata und Nakanishi gehen als potentielle Sieger durch. Doch gegeneinander hatten sie den Duft von zwei wichtigen Punkten in der Nase. Die Qualität der Auseinandersetzung hing schwer von den aktiv im Ring befindlichen Streitern ab: Sind Kojima und Nagata immer noch zu großen Leistungen in der Lage, bewegten sich Tenzan und Nakanishi im Zeitlupentempo durch das Seilgeviert.

Der Kampf war nicht halb so dynamisch oder energiegeladen wie der erste Teil der Veranstaltung. Aber er war auf seine ganz eigene Weise dufte – und punktete mit einer durchaus heißen Schlußphase. Nach unzähligen Kämpfen in der Vergangenheit wurde der erste Anlauf zu jedem Trademark-Manöver rechtzeitig ausgebremst, bis Nagata plötzlich der Backdrop Hold gegen Kojima gelang. Zu viel für „Cozy“, der seine Schultern nicht mehr rechtzeitig von der Matte bekam. Für die Kompetenzen der Herren nicht allzu gut, dafür schwer sympathisch und charmant. (12:11) **¼

Yuji Nagata und Manabu Nakanishi gewannen das Altherrenduell. (© NJPW)

World Tag League 2018
Beretta & Chuckie T [2] besiegten Hangman Page & Yujiro Takahashi [0]

Was wenige Monate ausmachen können: War Beretta nach dem Wechsel zu den Schwergewichten prädestiniert für eine größere Rolle bei New Japan, spielt er an der Seite von Chuck Taylor inzwischen den Gelegenheits-Pausenclown und wirkt weiter denn je von einem Sprung in höhere Gefilde entfernt. Hangman wiederum ist zweifellos einer der härtesten Arbeiter der Promotion, der in der Hierarchie langsam aber beständig nach oben wandert und 2019 seinen großen Durchbruch erleben könnte. Schade höchstens, daß im Rahmen der World Tag League Yujiro Takahashi statt Chase Owens in seiner Ringecke gelandet ist.

Wie das bei Kämpfen mit einer Vielzahl an Gaijin ohne nennenswerte Geschichte so ist, war das Publikum brav bei Klatscheinlagen dabei, abgesehen davon aber nicht sonderlich involviert. Die fehlende Energie übertrug sich leider auch ins heimische Wohnzimmer. Denn obwohl die vier Jungs eine solide Leistung aufs Parkett legten, fühlte sich das Duell wie die designierte Pause an, in der lieber Kraft für die kommenden Schlachten regeneriert wurde. Yujiro Takahashi fiel kurz nach der 10-Minuten-Grenze dem Strong Zero zum Opfer und beendete das insgesamt träge wirkende Schauspiel. (10:11) **¼

Beretta besiegelte den gelungenen Einstieg für die Best Friends. (© NJPW)

World Tag League 2018
Tama Tonga & Tanga Loa [2] besiegten Togi Makabe & Toa Henare [0]

Des einen Freud, des anderen Leid: Gastiert Tomoaki Honma bei den Turnierkämpfen nur noch am Kommentatorenpult, springt an seiner Stelle zum zweiten Mal in Folge Toa Henare in die Bresche. Der Neuseeländer wurde in Honmas Verletzungspause so regelmäßig neben Makabe platziert, daß der Übergang nahtlos funktioniert. In diesem Jahr handelt sich um kein wild zusammengewürfeltes Team mehr, sondern um zwei Kämpfer mit einander komplettierenden Stärken.

Apropos: Die Guerrillas hatten mit Jado ein spezielles Qualitätsmerkmal neben dem Ring stehen. Der Fiesling lenkte Red Shoes ab, schlug mit einem Singapore Cane zu und verschaffte seinen Jungs Vorteile, wann immer sie aus der Spur zu fallen drohten. Great Bash Henare hätten den Sieg über die amtierenden IWGP Tag Team und NEVER Openweight Six Man Tag Team Champions gut vertragen können. Doch die Sterne standen an zumindest diesem Abend schlecht. Tanga packte sich Henare für die erfolgreiche Ausführung des Apeshits auf die Schultern und sicherte dem BULLET CLUB die ersten zwei Punkte. (12:11) **½

Toa Henare zeigte sich beherzt, wurde aber doch abgefertigt. (© NJPW)

EVIL, SANADA, Tetsuya Naito, BUSHI & Shingo Takagi besiegten Kazuchika Okada, Tomohiro Ishii, Toru Yano, YOH & SHO

Naito erhält im Tokyo Dome sein zweites Date mit Jericho. BUSHI und Shingo Takagi kämpfen um die Junior Heavyweight Tag Team Championship. Ergo liegt die Chance, daß EVIL und SANADA in einem unwichtigen Undercard-Kampf oder gar dem New Japan Rumble vergraben werden, bei weniger als null Prozent. Sie sind zu wichtig und werden, ob sie die World Tag League gewinnen oder nicht, um die Tag Team Championship für die Schwergewichte antreten.

Zum Match selbst gibt es nicht viel zu sagen. Es war das übliche Aufeinandertreffen beider Stables, das wir in der Vergangenheit bereits Dutzende Male gesehen haben. In etwas mehr als zehn Minuten wurde weder eine außergewöhnliche Story vorangetrieben noch ein großes Ende fokussiert. Alle Beteiligten erhielten ihre Momente, bis die Jungs um Tetsuya Naito das Durcheinander für den Sieg nutzen konnten. Der Chef persönlich schulterte YOH mit dem Destino. (11:46) **¾

Das Schicksal von YOH hatte sich entschieden. (© NJPW)

Abschließende Gedanken

Eine gute Veranstaltung auf Houseshow-Niveau, die da ansetzt, wo die letztjährige World Tag League aufgehört hat. Auch 2018 sind keine großen Sprünge zu erwarten. Bei der Fülle an insgesamt 92 Matches werden sich die Kämpfe spätestens am dritten Abend gleichen wie eineiige Zwillinge. Nichts für Gelegenheitsfans, ganz hart an der Grenze für Komplettisten, die sich kein Duell entgehen lassen möchten.

Der relative Mangel an Schneeflocken sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der erste Tag der Tag League einen unterhaltsamen Event dargestellt hat, der sich ohne Probleme am Stück begutachten ließ. Er bot nur eben einfach nicht mehr als das. Wer die Veranstaltung aus Zeitgründen verpaßt hat, ist mit dem Wissen um die Resultate bestens bedient. Es gibt in den kommenden Wochen noch genügend Möglichkeiten, die komplett identischen Kämpfe zu sehen.

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Author: Steffen Götze

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