NJPW Wrestle Kingdom 13 Fan Festival (3. Januar) Review: TenKoji vs. Yoshida & Umino

Die mehrstündige Präsentation vor der großen Schlacht ist jährlich eine Mischung aus letzter Pressekonferenz und 60 Minuten Wrestling. Auch in diesem Jahr mangelte es nicht an einem Highlight, als Chris Jericho wie ein Besessener auf Tetsuya Naito zustürmte und ihn durch einen Tisch beförderte. Die im Anschluß stattfindenden Kämpfe waren etwas gemächlicher und ließen Young Lions und Veteranen aufeinanderprallen, die keinen Platz auf der Tokyo Dome Card gefunden hatten.

Lion’s Gate Special I
Jushin Thunder Liger & Tiger Mask besiegten Ren Narita & Yuya Uemura

Der Legendenstatus von Jushin Thunder Liger ist in Stein gemeißelt. Doch auch wenn seine Rolle seit vielen Jahren darin besteht, Young Lions zu vertrimmen und nur noch selten relevante Matches zu bestreiten, fühlt sich sein Fehlen bei Wrestle Kingdom immer noch seltsam an. Sein letzter vollwertiger Auftritt auf der ganz großen Bühne fand 2012 statt – und auch da hatte es nur für ein Showcase Match mit Abgesandten vom Kooperationspartner CMLL gereicht. Seitdem begnügte sich der Veteran mit Auftritten im Rambo und den Fan Festivals am Tag zuvor. So auch diesmal. Daß ausgerechnet Ren Narita auf der anderen Ringseite lauerte, muß das Salz in der Wunde gewesen sein. Denn in diesem Leben scheinen Liger und der freche Rookie keine Freunde mehr zu werden.

Nur geringfügig besser: die Laune von Tiger Mask! Die beiden Maskierten hatten ihre Freude daran, die Rookies an ihre Grenzen zu erinnern. Gerade Tiger ließ wütende Kicks für sich sprechen und züchtigte die beiden Jungspunde nach allen Regeln der Kunst. In bester Young-Lion-Manier sollte die Stunde der Schwarzhöschen wenigstens kurzzeitig schlagen. Uemura pfefferte Tiger mit einem Shoulder Block zu Boden, konnte Liger wenig später mit einem Missile Dropkick auf die Matte befördern. Der Wechsel zu Narita brachte ambitionierte Offensiven, bis die Veteranen die Faxen dicke hatten. Nachdem die Rookies mit beeindruckender Teamarbeit punkteten, endete ihr Abend mit dem Tiger Driver gegen Uemura. (11:27) **¾

Lion’s Gate Special II
Yuji Nagata & Manabu Nakanishi besiegten Tomoaki Honma & Toa Henare

Wenn sich das populärste Junior Heavyweight aller Zeiten mit einem Platz an der Seitenlinie zufrieden geben muß, sind ehemalige Titelträger im Schwergewicht schon dreimal nicht gefeit. Während Manabu Nakanishi seit vielen Jahren als hölzerner Sandsack durch den Ring stapft und sich selbst bei regulären Events nur noch für die untere Hälfte der Card qualifiziert, ist Yuji Nagata vergleichsweise jung geblieben. Wie bei Liger und Tiger lag der Fokus aber gar nicht erst auf den beiden Veteranen. Ihnen gegenüber nämlich stand ein explosives Duo, dessen Zusammensetzung für sich sprach. Sowohl Honma als auch Henare verdingten sich in der Vergangenheit als Schatten von Togi Makabe. Reibereien und ein baldiges Singles Match sind dementsprechend vorprogrammiert.

Sieht ein Pro-Wrestler bei jeder Bewegung aus, als hätte er unendliche Schmerzen, sollte der Gedanke an den Rücktritt eher früher als später erfolgen. Honma gehört 2019 in keinen Ring mehr und sollte seinen letzten Rest Gesundheit nicht so unnötig aufs Spiel setzen, wie er es in den ersten Jahren seiner Karriere getan hat. Zu allem Überfluß übernahm der alte Haudegen die Ricky-Morton-Rolle seines Teams. Der Kampf verlief konsequent schwerfällig. Immerhin: Viel sellen mußte Honma vermutlich nicht. Die letzten Minuten sollten wahrscheinlich unterstreichen, daß Henare ein hartnäckiger Typ ist. Allerdings verliefen sie derart frei von Energie, daß am Ende des Abends keiner der Beteiligten in irgendeiner Art und Weise gut aussah. Nagata beendete das trostlose Trauerspiel schlußendlich mit dem Backdrop Hold gegen den Neuseeländer. (9:32) *½

Lion’s Gate Special III
Hiroyoshi Tenzan & Satoshi Kojima besiegten Ayato Yoshida & Shota Umino

TenKoji sind unkompliziert mit Nagata und Nakanishi zu vergleichen: Tenzan hat seine besten Tage längst hinter sich, während Kojima die Schlacht mit Vater Zeit um ein weiteres Jahr verlängern konnte. Apropos Vergleiche: Selbst Yoshida und Umino haben auf mich einen gewissen TenKoji-Vibe. Die beiden Young Lions hegen einen Grundrespekt füreinander, sind unabhängig davon jedoch prädestiniert dafür, eine ähnliche Haßliebe aufzubauen. Sie feilen beständig an ihrer Zusammenarbeit und Kommunikation. Doch es ist völlig offensichtlich, daß sich keiner von ihnen scheuen würde, das Leben des jeweils anderen von jetzt auf gleich für immer zu ruinieren. Beste Freunde eben!

So wie Tenzan und Kojima keine Titelregentschaft mehr in sich haben, sind Yoshida und Umino mehr als gewöhnliche Young Lions. Die beiden Rookies stehen in der Nachwuchs-Hierarchie zurecht ganz oben und ließen sich von der Reife ihrer Gegner weit weniger beeindrucken als etwa Narita und Uemura früher am Abend. Im Fokus standen nicht etwa die Feinheiten der Altmeister, sondern Feuer und Herz ihrer jüngeren Äquivalente. Auch wenn niemand an den überraschenden Erfolg glaubte: Alle vier Streiter arbeiteten so gut, daß die Sensation dennoch stets in der Luft lag. Mit Kojimas Lariat gegen Umino wurde das Schicksal der jungen Löwen besiegelt. Doch allzu lang wird der Erfahrungsvorteil der Veteranen zumindest gegen Yoshida und Umino nicht mehr das Zünglein an der Waage spielen! (11:07) ***¼

Ungebrochen populär: Satoshi Kojima hielt die erste Ansprache des neuen Jahres. (© NJPW)

Abschließende Gedanken

Der Vorgeschmack auf den Tokyo Dome war eine Lion’s-Gate-Sause aus dem Bilderbuch. Die alteingesessenen Streiter bekamen es mit dem Nachwuchs zu tun und solide Herausforderungen vorgesetzt, bevor sie den Sack zumachten und die Kämpfe zu ihren Gunsten beendeten. Anders als im Vorjahr gab es, was die reinen Ergebnisse betrifft, keinerlei Spannung, da kein einziges Match über ausgeglichene Machtverhältnisse verfügte. 2020 dürfen die Teams gern wieder durchgemischt werden, um ein Fünkchen Nervenkitzel zu gewährleisten.

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Author: Steffen Götze

Steffen verfolgt das obskure Hobby namens Pro-Wrestling seit 1998 und erfreut sich gleichermaßen an Death Matches, unsichtbaren Handgranaten und langweiligem Klassik-Catch von anno dazumal. Ärgert sich der Dresdener nicht gerade über die jährlichen Mißerfolge der Minnesota Vikings, bemüht er sich nach Kräften, die Kritiken wichtiger Veranstaltungen nach spätestens drei Jahren im Kasten zu haben.

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