ROH/NJPW Honor Rising: Japan 2018 (23. Februar) Review: BULLET CLUB implodiert, Goto vs. Bruiser

Fantastica Mania liegt kaum einen Monat hinter uns, da dürfen auch schon die nächsten Partner ran! New Japan begrüßte Ring Of Honor im Land der aufgehenden Sonne, nahm sich der Unstimmigkeiten des BULLET CLUBs an und stattete NEVER Openweight Champion Hirooki Goto mit einem Herausforderer aus, der dem Gerstensaft so zugeneigt ist wie der Schreiber dieser Zeilen. Kurz: Einen besseren Auftakt für Kamigoye hätte es gar nicht geben können!

Bad Luck Fale & Yujiro Takahashi besiegten Toa Henare & Katsuya Kitamura

Streitet die Chefetage auch um die Vormachtstellung innerhalb des BULLET CLUBs: Im B-Team läuft es überraschend gut. Fale und Yujiro hatten zwei muskelbepackte Neulinge vor sich, verließen sich ganz auf ihre aufeinander abgestimmten Gemeinheiten und wußten jede Offensive ihrer Gegner zu annullieren.

Die Publikumslieblinge erkannten Yujiro als offensichtliche Schwachstelle, konnten ihn jedoch nicht lang genug bei Laune halten, um Fales Qualitäten zu entgehen. Ihn nämlich interessierte es herzlich wenig, ob er den kleinen Henare oder den stämmigen Kitamura in den Boden zu rammen hatte. In der Schlußphase zeigte sich schnell, daß die Chancen auf die Sensation gering ausfielen. Kitamura verschätzte sich beim Ansatz zum Vertical Suplex, überlebte eine Lariat. Nach der Grenade war Feierabend! (7:20) **¼

Katsuya Kitamura schlug sich wacker. Gegen den „Underboss“ Bad Luck Fale reichte es nicht. (© NJPW)

Jushin Thunder Liger, Delirious & Cheeseburger besiegten Tama Tonga, Tanga Loa & Hikuleo

Delirious ist verrückt. Doch so verrückt, daß er sich schon zu Beginn des Matches von Hikuleo kaputthauen ließ, ist er dann doch wieder nicht. „Shit!“ lautete die Devise der Außenseiter und sie umschrieb ihre Lage optimal. Match um die NEVER Openweight 6 Man Tag Team Championship am nächsten Tag hin oder her: Gegen das Trio aus waschechten Schwergewichten mit familiären Wurzeln sah es schlecht aus!

Das Match gestaltete sich dementsprechend. Team Liger hatte nicht den Hauch einer Chance, litt kontinuierlich unter schnellen Wechseln und nervenzehrenden Kraftaktionen. Nur die Hilfe der Zuschauer hielt die Jungs auf den Beinen. Na ja, und die Unerfahrenheit vom langen Leo! Die Herausforderer bündelten ihre Reserven im richtigen Augenblick und schulterten den baumlangen Riesen nach einem von Delirious gesprungenen und mit reichlich Unterstützung zu Ende geführten Sunset Flip. (7:08) **¼

Jushin Thunder Liger, Delirious und Cheeseburger trotzten der genetischen Übermacht der Guerillas Of Destiny. (© NJPW)

Matt Jackson & Nick Jackson besiegten Juice Robinson & David Finlay

Drittes Match, das dritte Mal durften Mitglieder des BULLET CLUBs in den Ring. Und diesmal waren sie, die Young Bucks, weitaus mehr in die Spannungen zwischen Kenny Omega und Cody involviert. Ganz davon zu schweigen, daß sie gegen Juice und Finlay, ganz nebenbei, auch noch ihr Debüt bei den Schwergewichten feierten.

Unabhängig der bevorstehenden Chanko-Diät blieb zunächst alles beim Alten. Die Jackson-Brüder ließen Geschwindigkeit für sich sprechen und räumten ihre Gegner mit kreativen Teamaktionen ab, unter denen vor allem der junge Finlay zu leiden hatte. Hätte Matt Jackson keine schlimme Rückenverletzung mit sich herumgeschleppt, hätten die nächsten Minuten genauso ausfallen können. Stattdessen wurden die Bucks von Juice in die Ränge der Heavyweights eingeführt. Nach einer Salve Suplessen wendete sich das Blatt. Zumindest vorerst.

Je besser es um sein Team stand, desto leichter fiel es Juice, die Deckung fallen zu lassen. Ein Fehler, denn Nick Jackson bewies schon bald seine Qualitäten als Ringgeneral, glich die verletzungsbedingten Schwächen seines Bruders aus und dirigierte eine krachende Offensive, die Finlay unter dem Meltzer Driver begrub und den Sieg der Young Bucks herbeiführte. (12:05) ***

Juice Robinson bemerkte zu spät, daß er die Einladung zur Superkick Party hätte ablehnen können. (© NJPW)

Flip Gordon besiegte Hiromu Takahashi und KUSHIDA

Being The Elite statt BULLET CLUB! Die Kollegen haben ein gutes Wort für ihr Cast-Mitglied eingelegt, ihn kurzerhand mit in den Flieger verfrachtet und in eine schier aussichtslose Lage manövriert. Als Flips erste Gegner präsentierten sich ausgerechnet Hiromu Takahashi und KUSHIDA. Zwei ehemalige IWGP Junior Heavyweight Champions, die neue Standards gesetzt und die schwächelnde Division über sich hinauswachsen lassen haben.

Ganz so aussichtslos erschien die Situation dann doch nicht. Flip irritierte seine Kontrahenten mit unorthodoxen Bewegungen, wurde schließlich aber doch zusammengefaltet – und humpelnd zurückgelassen! Das Beinchen machte Flip zu schaffen. Erst recht, nachdem sich sowohl KUSHIDA als auch Hiromu darum bemühten, seine Extremitäten handlungsunfähig zu machen.

Obwohl der US-Amerikaner vom Apron rutschte, hin und wieder sein Zeitgefühl schleifen ließ, hielt er den Kopf über Wasser. So kämpfte er sich zunächst aus dem Hoverboard Lock heraus und flog urplötzlich mit einem 450 auf den in der Mitte des Rings lümmelnden Hiromu Takahashi! Das LIJ-Mitglied war zu überwältigt, um die Schultern nach oben reißen zu können. (12:48) **¾

Gelungener Einstieg! Flip Gordon überraschte in seinem NJPW-Debüt ausgerechnet Hiromu Takahashi. (© NJPW)

Jay White, Beretta & Chuckie T besiegten Dalton Castle, Jay Lethal & Ryusuke Taguchi

Weder Boys noch ausgefallener Einzug für ROH World Heavyweight Champion Dalton Castle, dafür Taguchi mit einer kleinen Packung Chicken Wings. Auf der anderen Seite stand es nur unwesentlich besser um Titelherausforderer Beretta. Der hatte sich eine Woche vorher Bizepssehne und Brustmuskel gerissen. Ausgerechnet in einem Kampf gegen „Best Friend“ Chuckie T, versteht sich.

Über Gebühr beanspruchen mußte er seinen verletzten Körper nicht. Das Match gestaltete als zehnminütige Comedynummer, die erst an Fahrt aufnahm, als die beiden Jays eingewechselt wurden. Als erfolgreicher im Namensduell erwies sich das jüngste Mitglied von CHAOS. Ryusuke Taguchi gelang es zwar noch, seinen Hintern an den Mann zu bringen, doch mit dem Blade Runner war der Abend für ihn und sein Team im wahrsten Sinne des Wortes gelaufen. (10:10) **½

24 Stunden vor ihrem Match um die ROH World Heavyweight Championship: Dalton Castle und Beretta. (© NJPW)

NEVER Openweight Championship
Hirooki Goto (c) besiegte Beer City Bruiser

Bei all den Wrestlern, die Ring Of Honor hätte über den großen Teich fliegen können, erschien die Ankündigung des Beer City Bruisers wie ein schlechter Scherz. Davon abgesehen, daß seine Leistungsdichte überschaubar ausfällt, ist er selbst bei den Veranstaltungen auf heimischem Boden bloß der erfolglose Anhang von „Last Real Man“ Silas Young. Der Bruiser betrat die Korakuen Hall nicht nur mit Bier und Zigarre. Er spuckte die Plörre sogar als Herausforderer auf die NEVER Openweight Championship durch die Gegend. Im zweiten Hauptkampf!

Goto kam mit den Offensiven seines Gegners so schwer zurecht, daß er sich zehn Minuten lang verprügeln lassen mußte. Der Bruiser flog vom Apron, speichelte seinem Gegner Bier ins Gesicht, setzte seinen Körper auf jede nur erdenkliche Weise ein, um das Gürtelportfolio aufzupolieren. Blöd aber: Die Kraft des Alkoholpegels ließ nach, je länger das Match andauerte. Von Bruisers Ausdauer ganz zu schweigen. In der Schlußphase hatte der Champion leichtes Spiel. Als der massige Körper des Herausforderers vom Seil plumpste, rollte er sich rechtzeitig aus dem Weg und beendete die Scharade mit dem GTR.

Daß die Beer City Brew den ganzen Abend über erstaunlich wäßrig aussah, muß retrospektiv als schlechtes Omen gewertet werden. Der Bruiser verließ die Korakuen Hall dennoch mit neuen Fans. Schwabbelige Monster aus einer anderen Zeit gehen beim Pro-Wrestling eben doch immer! (13:38) ***

Trotz Bierdusche gelang Hirooki Goto die zweite Verteidigung der NEVER Openweight Championship. (© NJPW)

Cody, Hangman Page & Marty Scurll besiegten Kenny Omega, Kota Ibushi & Chase Owens

So fine der BULLET CLUB auch sein mag: Bei Honor Rising war es endlich an der Zeit, die Differenzen im Ring zu klären. Der Bruch zwischen Kenny Omega und Cody sorgte bei The New Beginning dafür, daß die Golden Lovers wieder zueinanderfanden, das erste Mal seit Jahren Seite an Seite unter dem Jubel der Zuschauer in den Ring schritten. Mit Arbeitstier Chase Owens ging es gegen ein von Rhodes Jr. dirigiertes Team, dem Hangman Page nur zu gern beiwohnte, das Marty Scurll jedoch sichtlich mit Vorsicht zu genießen schien. Er hatte kein Problem damit, gegen Ibushi vorzugehen, bei Kumpel Kenny hingegen sah es anders aus.

Die erste Schlacht des Civil Wars gestaltete sich mit gutem Wrestling, funktionierte aber vor allem als 20-minütiger Angle, in dem jeder Teilnehmer seine Rolle abzustecken suchte. Im Fokus stand die Zerrissenheit des „Villains“, der keinen seiner Freunde enttäuschen wollte und ob der Ansetzung eher notgedrungen Partei ergreifen mußte. Ein Fingerbruch Kennys hätte seinem Team schon in der ersten Hälfte einen Bärendienst erwiesen. Doch der arme Marty brachte die Grausamkeit einfach nicht übers Herz! Hangman Page mußte die Unachtsamkeit schließlich ausbügeln. Jener behielt in den entscheidenden Momenten die Übersicht, ließ Owens den Rite Of Passage spüren und machte den Sieg für sein Team perfekt. (20:30) ***½

Die Rückkehr der Golden Lovers brachte die Korakuen Hall zum Einsturz. Auf der anderen Seite machte Cody klar, sich wenig um die Gefühle und Bedürfnisse der Zuschauer zu kümmern. Das bespuckte Schild eines Fans war der Anfang, eine Prügelei mit Kenny, kaum war der Kampf vorbei, die logische Konsequenz. Rookies, Kollegen und die herbeigeeilten Young Bucks versuchten zu schlichten und waren mit Ach und Krach erfolgreich. Cody aber hatte noch nicht genug, wiederholte das aus Being The Elite bekannte Mantra „BULLET CLUB is fine“, um gleich darauf hinzuzufügen: „BULLET CLUB is mine!“

Wie ein geborener Anführer sah Cody schon einen Moment später nicht mehr aus. Hinter den Kulissen war Hangman Page angefressen, ein zweites Mal um seinen großen Moment gebracht zu werden. Bereits bei The New Beginning sorgte er für die große Katastrophe, als er Jay White zu einem Tanz um die IWGP United States Heavyweight Championship herausforderte. Zufall, daß Cody ihm immer dann zuvorkommt, wenn Hangman seine fünf Sekunden im Scheinwerferlicht genießen möchte? Zumindest am heutigen Abend konnte der selbsternannte Chef seinen treuesten Anhänger beruhigen.

Klein-Marty geriet wieder zwischen die Fronten. Sein Team lachte, Hangman Page sei Dank, dennoch zuletzt. (© NJPW)

Fazit

Der erste Abend von Honor Rising 2018 bewegte sich auf dem Niveau der üblichen Korakuen-Events von New Japan. Viele Matches waren gut bis sehr gut, keines erreichte den ganz hohen Level. Der Main Event lebte von emotionaler Tiefe, wird aber dennoch „nur“ den Auftakt einer (hoffentlich) langen Matchreihe vieler Klassiker darstellen. Genau das war er eben: Eine Vorschau auf die Dinge, die uns in den kommenden Wochen und Monaten bevorstehen, wenn die Unannehmlichkeiten innerhalb des BULLET CLUBs neue Höhen erreichen.

Davor gab es weitestgehend gewöhnliche Kost zu sehen. Young Bucks vs. Juice & Finlay war so kurzweilig wie das Three Way Match. Der Beer City Bruiser präsentierte sich mit einer guten Leistung gegen Goto, kam aber doch nicht aus seiner Haut. Alles in allem ein Event, den man nicht gesehen haben muß und der auf lange Sicht nur durch die Rückkehr der Golden Lovers in Erinnerung bleiben wird.

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Author: Steffen Götze

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