ROH/NJPW Honor Rising: Japan 2018 (24. Februar) Review: Golden☆Lovers vs. Cody & Marty

Cody erklärte sich zum Anführer des BULLET CLUBs, leistete sich eine wilde Prügelei mit Kenny Omega und verärgerte seinen treuesten Handlanger – ein Neuanfang nach Maß. Auch am zweiten Tag der Honor Rising Tour lag Ärger in der Luft. An der Seite von Marty Scurll forderte Cody die GoldenLovers heraus! Davor stellte sich ROH World Heavyweight Champion Dalton Castle dem #1-Herausforderer Beretta und einer alkoholisierten Überraschung.

Beer City Bruiser besiegte Toa Henare

Bruisers Laune hatte sich nach der Niederlage gegen Hirooki Goto kein bißchen verbessert. Ganz im Gegenteil: Als Henare seine Qualitäten als Pro-Wrestler unter Beweis stellen wollte, bekam er schreiend zu hören, doch bitte kämpfen zu sollen! Der Eisenschädel des Rookies gab dem Bruiser Rätsel auf. Doch letztendlich fehlten Henare Übersicht und Wirkungstreffer, um den Kampf sinnvoll zu gestalten. Der Gigant aus Milwaukee spulte ohne nennenswerte Gegenwehr sein Standardprogramm ab, pustete dem Dojo-Absolvent Bier ins Gesicht und gewann nach wenigen Minuten mit einem Frog Splash vom dritten Seil. (4:25) **

Keine Chance für den Neuseeländer. Der Beer City Bruiser machte kurzen Prozeß! (© NJPW)

Jay Lethal, Juice Robinson & David Finlay besiegten Yujiro Takahashi, Chase Owens & Hikuleo

So wichtig Jay Lethal als sichere Bank des ROH-Kaders ist, so irrelevant war sein Engagement bei der Honor Rising Tour. Nach einem unwichtigen Six Man Tag Team Match am Tag zuvor ging es nicht minder aufregend weiter. Die bösen Buben vom BULLET CLUB machten sich über David Finlay her und sahen blöd aus der Wäsche, als der heiße Wechsel zum früheren ROH World Heavyweight Champion gelang. Lethal räumte auf, verließ sich auf die Mithilfe seiner Teamkollegen und hatte keine Probleme damit, Hikuleos Schultern für drei Sekunden auf dem Boden zu halten. (6:35) **¼

Er kam, flog und siegte: Jay Lethal mit dem Hail To The King Elbow Drop gegen Hikuleo. (© NJPW)

Hiromu Takahashi & BUSHI besiegten Flip Gordon & Ryusuke Taguchi

Ging Hiromu nur 24 Stunden vorher überraschend gegen Japan-Debütant Flip Gordon unter, ließen die Los Ingobernables diesmal keine Zweifel an ihren Künsten aufkommen. Ob regulär oder irregulär: ganz egal! Hatte Gordon seine Spielchen absolviert, wurde er auch schon munter durch die Korakuen Hall geprügelt. Takahashi und BUSHI wollten sich nicht nur revanchieren. Sie wollten gleichermaßen aufzeigen, bereit für den bereits angesetzten Kampf um die IWGP Jr. Heavyweight Tag Team Championship zu sein. Ihr Plan ging voll und ganz auf. Taguchi und Gordon hielten mit, doch der hervorragenden Zusammenarbeit der Naito-Kollegen hatten sie nichts entgegenzusetzen. Nach dem Doomsday MX war der Abend für Flip gelaufen. Hiromu konnte sich erfolgreich rächen.

Ein solider Einstieg für den jungen Amerikaner. Denn obwohl offensichtlich wurde, daß er weit unter dem Niveau von Gegnern wie Hiromu, BUSHI oder KUSHIDA kämpft, nahmen ihn immerhin die Hardcore-Fans in der Korakuen Hall positiv auf.  Während eine Teilnahme im Best Of The Super Juniors im Raum steht, geht die Rivalität mit Takahashi unvermittelt weiter. Der nächste Tanz wird am 9. März bei Ring Of Honors 16th Anniversary Show abgehalten. (10:17) **½

Revanche geglückt: Flip Gordon unterlag dem Doomsday MX. (© NJPW)

NEVER Openweight Six Man Tag Team Championship
Bad Luck Fale, Tama Tonga & Tanga Loa (c) besiegten Jushin Thunder Liger, Delirious & Cheeseburger

Gegen die drei Söhne von Haku konnte sich das Herausforderer-Trio behaupten. Der nun zu Bad Luck Fale mutierte Hikuleo ließ jedoch von der ersten Sekunde an klar werden, daß es keinen Titelwechsel geben wird. Liger, Delirious und Cheeseburger hatten alle Hände voll zu tun, ihre körperlich klar bevorteilten Gegner in Schach zu halten und gleichermaßen Erfahrung als auch Cleverness für sich sprechen zu lassen. Das gelang den beiden Maskierten den Umständen entsprechend gut. Cheeseburger hingegen mußte schnell seine Deckung fallen lassen und wurde nach einer kurzen Offensive per Guerrilla Warfare aus dem Kampf genommen. Erfolgreiche zweite Titelverteidigung! (9:16) **½

Guerrilla Warfare > Fast Food. Die Championship blieb im Besitz des BULLET CLUBs. (© NJPW)

Hangman Page, Matt Jackson & Nick Jackson besiegten Jay White, YOSHI-HASHI & Chuckie T

Wann immer die Streitigkeiten im BULLET CLUB eskalierten, waren weder Jay White noch Hangman Page weit entfernt. Wollte sich Letzterer schlichtweg auf ein Match um die IWGP United States Heavyweight Championship bewerben oder seinen jüngsten Erfolg auskosten, hatte „Switchblade“ gleich mehrmals seinen Spaß daran, Finger in offene Wunden zu legen. Klar also, daß der am Vortag übergangene Hangman umso interessierter daran war, seinen Platz im Scheinwerferlicht zu festigen und die größte Dreckschleuder des Rosters bezahlen zu lassen. Es sollte ihm gelingen!

Anders als mit Cody und Marty an seiner Seite hatte der Hangman keine Sekunde daran zu zweifeln, die Unterstützung der Young Bucks genießen zu dürfen. Das Trio funktionierte wie eine gut geölte Maschine und nutzte seinen Erfahrungsschatz gewinnbringend aus. Das CHAOS-Gespann war zwar gut aufeinander eingestimmt, ließ in den entscheidenden Momenten aber doch das nötige Quäntchen Chemie vermissen. Als Page drauf und dran war, dem Blade Runner zum Opfer zu fallen, retteten die Young Bucks mit einem klatschenden Paar Superkicks. Die Aufmerksamkeit des United States Champions war dahin, Rite Of Passage und Pinfall die Folge. Ein Streich, der seit Whites Rückkehr ausschließlich Hiroshi Tanahashi, nicht einmal Kenny Omega geglückt ist. (12:35) ***½

Für Jay White war der Abend noch nicht gelaufen. Der Hangman schnappte sich einen Stuhl und konnte erst im letzten Augenblick von den Young Bucks abgehalten werden, den Schädel seines Rivalen zu spalten. Eine halbe Minute später sah es anders aus: Page forderte eine Sitzgelegenheit von Katsuya Kitamura an und beendete Whites Abend mit dem Rite Of Passage auf Stahl.

Rite Of Passage statt Blade Runner: Hangman Page untermauerte seinen Anspruch auf die United States Heavyweight Championship. (© NJPW)

ROH World Heavyweight Championship
Dalton Castle (c) besiegte Beretta und Beer City Bruiser

Verletzter Brustmuskel und gerissene Bizepssehne hin oder her: Schlimmer ist ein in den Vereinigten Staaten von Amerika lebender Hausdrache, der Gold erwartet! Noch bevor Castle und Beretta ihren Titelkampf starten konnten, erschien der Beer City Bruiser, um seine ungeliebten Kollegen aufzumischen. Während Beretta gern auf einen weiteren Tanzpartner verzichtet hätte, war ausgerechnet Champion Dalton erzürnt genug, den Bruiser als dritten Teilnehmer in das Match zu bitten. So schnell kann es gehen!

Obwohl sich Beretta problemlos hätte zurücklehnen können, fokussierte sich der vierfache IWGP Junior Heavyweight Tag Team Champion auf seine Kernkompetenz: das Verkaufen von üblen Stürzen! Daß er sich dabei einige Bumps zu viel abholte, paßte nur umso besser in die Geschichte des Kampfes. Beretta hatte das Publikum in seiner Hand, sah sich mit dem Bruiser einem gefährlichen Widersacher ausgesetzt und besaß sogar ausreichend Kraft, die Schultern nach dem Top Rope Frog Splash nach oben zu reißen.

Auch der Bruiser ließ keine Gelegenheit verstreichen, die Zuschauer auf sich aufmerksam zu machen. Reichen sollte es dann aber doch nicht. Beretta rollte angeschlagen aus dem Ring, Dalton Castle stemmte den 320 Pfund schweren Biertrinker per German Suplex auf den Boden der Tatsachen. Ein überraschend rundes Match, das weder mit Spannung noch Nearfalls geizte. (16:00) ***½

Dalton verteidigte das Gold! Der Deadlift German Suplex war zu viel für den Beer City Bruiser. (© NJPW)

Kenny Omega & Kota Ibushi besiegten Cody & Marty Scurll

Haderte Cody noch am Vorabend mit seiner selbsternannten Rolle als Anführer des BULLET CLUBs, verlief der zweite und letzte Tag der Honor Rising Tour hinsichtlich potentieller Konflikte ruhiger. Daß er sich in übergroßen Lettern das Wort „Leader“ auf die Hose pappte, schien zumindest Marty Scurll kein bißchen zu jucken. Der hatte vielmehr Probleme damit, Kenny Omega an der Seite von Kota Ibushi kämpfen zu sehen. Keine Loyalität mehr für den CLUB? Diesmal war Scurll gewillter, gegen seinen vermeintlich guten Freund Kenny vorzugehen.

Das Publikum hielt sich nicht zurück. Wurde der vor lauter Streß mit nunmehr grauen Haaren gesegnete „Villain“ immerhin neutral bis positiv empfangen, sah Cody gegen die hyperpopulären GoldenLovers wie der schlimmste Puro-Schurke der jüngeren Jahre aus. Ausnahmsweise nahm er eben das zum Anlaß, ungewohnte Manöver über den Luftweg zu starten, sich fast die Beine zu brechen und seine Gegner dort zu treffen, wo sie es am wenigsten erwarteten. Wollte er Kota Ibushi zunächst per Cross Rhodes vom Apron auf den ungeschützten Boden wuchten, machte er die Situation nur wenig später unangenehm, als er ihm kurzerhand einen Schmatzer aufdrückte – was selbst Scurll mit Unverständnis quittierte.

Cody war Ibushis Zorn ausgesetzt, schien aber doch einen seltsamen Etappensieg davongetragen zu haben. Denn kaum hatten Kenny und Kota den Golden☆Trigger ausgepackt und den kleinen Briten geschultert, hielt sich der Ärger vom „American Nightmare“ in Grenzen. Am Pult der amerikanisch-kanadischen Kollegen erklärte Cody gleich, sich den Publicity Stunt der GoldenLovers zu eigen gemacht zu haben. Allein der verwirrte Blick Kennys sei es wert gewesen. „Once you go Cody …“, schloß der möglicherweise neue Anführer des BULLET CLUBs seine bedeutungsschwangeren Worte ab. (20:15) ****

Kenny schnappte sich ein Mikro und erklärte das Wochenende zu einem der besten seines Lebens. Er glaubte, besser als 2017 könne es nicht werden. Doch nun sei der Traum, ein weiteres Mal Seite an Seite mit Ibushi in den Ring zu steigen, wahr geworden. Sie seien, so Kenny, ohne Zweifel das beste Tag Team der Welt – trotz kleiner Abstimmungsschwierigkeiten. Das jedoch sahen die Young Bucks anders. Die Jackson-Brüder marschierten zum Ring, erklärten ganz offiziell ihren Wechsel in die Riege der Schwergewichte und forderten die GoldenLovers indirekt zu einem Match heraus.

Gelungenes Comeback: Der Golden☆Trigger besiegelte das Ende von „Villain“ Marty Scurll. (© NJPW)

Fazit

Alles in allem bot die Honor Rising Tour zwei unterhaltsame Events, die mitsamt Ringabsperrung und hervorragend aufgelegten Fans eine authentische ROH-Kulisse mit sich brachte. Der zweite Abend klickte wesentlich besser als der erste und hatte mit dem Main Event den besten Kampf der Tour im Gepäck. Setzte das Six Man Tag Team Match am Tag zuvor primär auf die Konflikte innerhalb des BULLET CLUBs, drehten GoldenLovers, Cody und Marty in der finalen Auseinandersetzung so richtig auf.

So gut drauf wie die Fans waren selbstverständlich auch die Wrestler. Hatte der Beer City Bruiser mal eben das Wochenende seines Lebens, kämpfte sich Beretta eisern durch seine Litanei an Verletzungen. Gut also, daß er es in den nächsten Wochen langsamer angehen läßt:

Eine Teilnahme am New Japan Cup fällt damit flach. Dafür erhält „Best Friend“ Chuckie T eine weitere Möglichkeit, sich vor dem japanischen Publikum zu beweisen. Apropos New Japan Cup: Jener bereitet uns mit großen Schritten auf Sakura Genesis vor. Ehe der Sieger des Turniers vermutlich den nächsten Herausforderer auf die von Kazuchika Okada gehaltene IWGP Heavyweight Championship darstellt, darf der „Rainmaker“ am 6. März im Rahmen des Anniversary Events auf eigenen Wunsch gegen seinen Freund und Kollegen Will Ospreay ran!

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Author: Steffen Götze

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